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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.03.2020

Ingeborg-Bachmann-PreisJury kritisiert diesjährige Absage des Literatur-Wettbewerbs

Insa Wilke im Gespräch mit Britta Bürger

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Porträt von Insa Wilke (imago images / Horst Galuschka)
Insa Wilke sitzt in der siebenköpfigen Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises. Sie gehört zur Mehrheit der Mitglieder, die eine Absage des diesjährigen Wettbewerbs kritisieren. (imago images / Horst Galuschka)

Die Jury des Bachmann-Preises wehrt sich dagegen, dass der Ingeborg-Bachmann-Preis in diesem Jahr abgesagt wurde. Den Literatur-Wettbewerb nicht in der bisherigen Form zu veranstalten, sei angesichts der Corona-Pandemie richtig. Es gebe aber alternative Formate.

Nach der Absage des diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preises haben fünf von sieben Jury-Mitgliedern dagegen protestiert, die "Tage der deutschsprachigen Literatur" abzusetzen.  

In einem offenen Brief an die Landesdirektorin des ORF Kärnten, Karin Bernhard, betonen die Unterzeichnenden, wie wichtig der Wettbewerb sei, als "Zeichen der Solidarität mit den Kulturschaffenden, aber auch mit den Kulturkonsumierenden" in der Corona-Krise. Man halte es für möglich, den Wettbewerb 2020 in anderer Form im Fernsehen zu veranstalten.  

Von Absage überrascht

Zu den unterzeichnenden Jurymitgliedern gehört unter anderem die deutsche Literaturkritikerin und Moderatorin Insa Wilke. Sie berichtet davon, dass die Jury selbst am vergangenen Freitag von der endgültigen Absage überrascht worden sei. Sie habe seit Mittwoch überlegt, wie eine alternative Veranstaltung aussehen könnte und dies intern vorschlagen wollen. Doch ehe die Jury-Mitglieder ihren Brief hätten abschicken können, hätten sie aus der Presse von der Absage erfahren. 

Eine öffentliche Veranstaltung dieser Größenordnung sei aus heutiger Sicht unverantwortlich, begründete die ORF-Landesdirektorin ihre Entscheidung. Doch gegen die Absage allein hätten die Jury-Mitglieder nichts einzuwenden, sagt Wilke. Diese Entscheidung sei richtig. Doch gebe es mögliche Alternativen, zum Beispiel "Möglichkeiten, Studios zusammenzuschalten oder eben auch von zuhause aus dazu zu schalten, und ich glaube, dieses Format wäre sehr geeignet dafür, dass man es eben so durchführt und dadurch die Öffentlichkeit schafft, die die Autorinnen und Autoren im Moment brauchen", sagt Wilke.

Sorge vor Verlagerung ins Internet

Zwei Jury-Mitglieder hätten den offenen Brief nicht unterzeichnet, weil sie die Situation anders einschätzten, sagt Wilke. Sie befürchteten, dass der Wettbewerb dauerhaft ins Internet verlagert werden könnte. Doch dazu bestehe kein Anlass, so die Literaturkritikerin. Schließlich könne man der offiziellen Absage entnehmen, wie wichtig die Klagenfurter Literatur-Tage für den ORF seien. Der Wettbewerb müsse auch deswegen stattfinden, weil Leser und Leserinnen gerade jetzt "ein großes Bedürfnis nach Räumen der Normalität" hätten, sagt sie.

Die Verantwortlichen im ORF hätten allerdings mit Unverständnis auf den offenen Brief der Jury reagiert, berichtet Wilke. Sie vermutet ein Missverständnis: "In dieser Reaktion heißt es: Man versteht nicht, warum wir für die Durchführung sind und die Gesundheit der Leute riskieren. Das haben wir ja klar gesagt: Wir finden die Absage richtig. Wir finden falsch, dass es keine alternativen Lösungen gibt."

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