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Im Gespräch | Beitrag vom 26.02.2021

Infektiologin Marylyn Addo„Neue Viren faszinieren mich“

Moderation: Britta Bürger

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Eine Frau mit weißem Arztkittel schaut in die Kamera und lächelt. (Eva Hecht / Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)
Medizinerin mit Reiseerfahrung: Bereits in frühen Jahren wurde das Interesse von Marylyn Addo an Infektions- und Tropenkrankheiten geweckt. (Eva Hecht / Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)

Gefährliche Erreger schrecken sie nicht, sie motivieren sie: Marylyn Addo ist Ärztin und Wissenschaftlerin in Hamburg. Die Erforschung und Behandlung ansteckender Erkrankungen ist ihr derzeit sehr gefragtes Fachgebiet. 2020 wurde sie dafür „Medizinerin des Jahres“.

"Neue Infektionskrankheiten wie Ebola, HIV und Covid-19 haben Einfluss auf die Gesellschaft, sie bringen viele soziale Komponenten ans Licht. Es ist Pionierarbeit, so wie den Nordpol entdecken", sagt Marylyn Addo. Neben ihrem Job als Ärztin für Innere Medizin ist sie leidenschaftliche Forscherin. Dabei brennt sie vor allem für das Thema "Impfung", denn Vakzinen ist es zu verdanken, "dass Frauen im Kindbett nicht mehr an Tetanus sterben müssen und Kinderlähmung ausgerottet ist".

Medizinergen in der Familie

Mit ihrem Team entwickelt Addo zurzeit einen Vektorimpfstoff gegen den Covid-Erreger, vergleichbar dem von AstraZeneca, aber anders als der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer. "Es ist wichtig, eine Vielfältigkeit unter den Impfstoffen zu haben", sagt Addo, "da die verschiedenen Impfstoffe zum Teil die verschiedenen Arme des Immunsystems anders ansprechen." Möglicherweise werde man daher in Zukunft auch verschiedene Impfstoffe kombiniert einsetzen.

Das Medizinergen liegt in der Familie. Ihr Bruder ist Kardiologe, ihr verstorbener Vater war Arzt für Urologie. Er kam als junger Medizinstudent mit einem Stipendium von Ghana nach Deutschland, blieb und gründete in Bonn eine Familie.

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Regelmäßige Reisen nach Afrika und eine lebhafte ghanaische Community in Deutschland brachten seinen Kindern die Heimat nahe. "Ghana ist ein afrikanisches Land, das den Weg in die Demokratie geschafft hat, ein Land der Farben und der Lebensfreude Westafrikas", sagt Addo. "Ghana ist ein wichtiger Teil von mir."

"Ich habe eine Art Reisevirus"

So hat wohl auch ihr biografischer Bezug zu Afrika etwas zu tun mit ihrem speziellen Interesse an Infektionskrankheiten. Schon als Kind wurde ihr die Bedeutung tropischer Erreger bewusst, wenn sie sich auf Reisen vor Malaria schützen musste oder über Aids gesprochen wurde.

"Ich hatte schon immer den Wunsch, ein Diplom in Tropenmedizin zu machen". Dafür ging sie dann später nach England an die London School of Hygiene and Tropical Medicine.

Zunächst aber studierte sie in Bonn, Straßburg und Lausanne, "weil ich eine Art Reisevirus habe und mich gern im Ausland weiterbilden wollte". 1999 ging sie in die USA nach Boston und machte dort den Facharzt für Infektiologie, einen Abschluß, den es in Deutschland so nicht gibt. Erst nach 15 Jahren kehrte sie nach Deutschland zurück.

Überzeugte Karnevalistin

Aufgewachsen in Bonn, spielt der Karneval eine besondere Rolle in Marylyn Addos Leben. Schon ihr Vater sorgte zu Lebzeiten dafür, dass seine Abteilung an Weiberfastnacht kostümiert bei der Visite erschien. Das Kölsche Grundgesetz kann sie zitieren. Vor allem Regel Nummer 1 ("Et es wie et es") und Regel Nummer 3 ("Et hätt noch immer jot jejange") begleiten sie täglich, sagt die Medizinerin.

Als Rheinländerin zeigt sie sich auch zuversichtlich, was die Pandemie betrifft: "Ich bin fest davon überzeugt, dass sich irgendwann wieder Normalität einstellen wird. Denn wir haben die richtigen Impfstoffe und technische und medizinische Möglichkeiten, die es früher so nicht gab."

(kuc)

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