In Spaniens Bildungsbereich steht eine "ganze Reihe von Grausamkeiten" bevor

Demonstranten protestieren in Barcelona gegen die Folgen der Finanzkrise © AP - Manu Fernandez
19.04.2012
An Grund- und Oberschulen sollen drei Milliarden Euro eingespart werden: Spaniens Regierung hat radikale Kürzungen im Bildungsbereich beschlossen. Der Erlanger Hispanist Walther Bernecker beobachtet, dass die negativen Folgen längst spürbar sind.
Spanien hat mit einem riesigen Haushaltsloch zu kämpfen – und deshalb muss das Land sparen, sparen, sparen. Gestern hat die Regierung bekannt gegeben, dass die Spanier in Zukunft für ihre Medikamente zuzahlen müssen – Rentner 10 Prozent, andere bis zu 60 Prozent. Auch im Bildungsbereich soll kräftig gespart werden. Vertreter von Elternverbänden haben da schon von einem "gesellschaftlichen Selbstmord" gesprochen.

Walther Bernecker, Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg und Spanien-Experte, prophezeit: "Die Konsequenzen werden sein, dass die Situation an den Schulen, die ohnehin schon schlecht ist, noch schlechter wird. Die Bildung wird erheblich darunter leiden, sie leidet eigentlich jetzt schon darunter. Meine Kollegen an den Hochschulen jammern ganz gewaltig: Die Stundenzahl ist erhöht worden, die Gruppen werden vergrößert, die Gehälter werden gekürzt. Die Situation im Bildungsbereich auf allen Ebenen hat in den letzten Monaten bereits eine deutliche Verschlechterung erfahren."

Der Protest gegen die Kürzungen werde möglicherweise noch stärker, aber wenig Wirkung haben. Die Eltern seien aufgebracht, aber in einem Teufelskreis gefangen, da sie selbst finanziell unter den Folgen der Wirtschaftskrise zu leiden hätten und kein Geld für Privatschulen hätten. "Es wird hier noch eine ganze Reihe von Grausamkeiten geben, die in den nächsten Monaten wahrscheinlich praktiziert werden", so Bernecker.

Das vollständige Interview mit Walther Bernecker können Sie bis zum 19. September 2012 in unserem Audio-on-Demand-Angebot als MP3-Audio hören.
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