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Interview | Beitrag vom 01.12.2020

Impfung gegen CoronaAlles eine Frage der Logistik

Matthias Klumpp im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Spritzen mit dem neuen Corona-Impfstoff der Firma Biontech. (picture alliance / Robin Utrecht)
Herausforderung für die Logistik: Der Corona-Impfstoff muss bis zur Verteilung in den Impfzentren bei -70 Grad Celsius gelagert werden. (picture alliance / Robin Utrecht)

Bald können in Deutschland die ersten Menschen gegen COVID-19 geimpft werden. Davor liegen einige logistische Herausforderungen. Und auch die Kontaktbeschränkungen werden uns noch einige Monate erhalten bleiben, sagt Logistikexperte Matthias Klumpp.

Das deutsche Pharmaunternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer haben bei der Europäischen Arzneimittelagentur eine Zulassung ihres Corona-Impfstoffs beantragt. In zehn Tagen soll es eine öffentliche Anhörung zum Antrag geben. Anschließend könnte es laut Biontech ganz schnell gehen.

Innerhalb von Stunden könne dann der Impfstoff verschickt werden, sagt das Unternehmen aus Mainz. Aber rundrum ist viel Logistikleistung von Nöten: Die Lagerung und Impfstofflogistik ist hierbei Ländersache. Für die erste Phase sind insgesamt rund 400 Impfzentren deutschlandweit geplant, in Thüringen zum Beispiel knapp 30, in Bayern rund 100. Bis Mitte Dezember soll die Infrastruktur bereitstehen.

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Nach Meinung von Matthias Klumpp, Professor für Logistik an der Universität Göttingen und Forscher am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) Dortmund, ist eine der größten Herausforderungen der empfindliche Impfstoff selbst, der bei -70 Grad Celsius gelagert werden muss. Danach kann er lediglich fünf Tage in speziell für diesen Zweck konstruierten Ultra-Kühlschränken aufbewahrt werden.

Die Abstimmung der Bedarfe

Bei den Transportkapazitäten sieht Klumpp keine Schwierigkeiten. Insgesamt sieht er Deutschland hier gut aufgestellt. Eine weitere Herausforderung könnte aber die Abstimmung der Bedarfe sein: "Es wird Termin in den einzelnen Impfzentren geben mit den entsprechenden Personen, die geimpft werden. Es wird Anforderungen aus Krankenhäusern und aus Pflegeheimen geben für entsprechende Impfstoffmengen. Und das tageweise, heißt: Es wird pro Tag dreimal ausgeliefert. Für jede Ausliefertour sind die Mengen immer so abzustimmen, dass wir immer die richtige Menge verteilen. Das wird in den ersten Wochen ein bisschen eine Herausforderung sein."

Klumpp dämpft allzu optimistische Erwartung bezüglich der Geschwindigkeit, mit der die Bevölkerung geimpft werden kann: Es werde vermutlich bis ins zweite Quartal 2021 dauern, ehe die Impfkampagne "uns retten und eine Verbesserung" der Corona-Situation bringen könne.

Er gehe davon aus, sagt der Logistikexperte, dass die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen und Beschränkungen noch mindestens drei bis vier Monate notwendig sein werden.

(mk/ara)

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