Seit 09:00 Uhr Nachrichten
Dienstag, 28.09.2021
 
Seit 09:00 Uhr Nachrichten

Interview / Archiv | Beitrag vom 15.12.2020

Impfstoffzulassung"Genauer und deshalb sicherer"

Peter Liese im Gespräch mit Axel Rahmlow

Stefan Steinmetz, medizinischer Impfzentrumsleiter, simuliert bei einer Probe das Impfen einer Frau. In der Messehalle sollen, wenn der Impfstoff bereitsteht, bis zu 2400 Menschen pro Tag geimpft werden. Der Aufbau der insgesamt 53 Corona-Impfzentren in NRW ist auf der Zielgeraden. (picture alliance/dpa | Roland Weihrauch)
Noch werden die Abläufe für die Corona-Impfung in Deutschland nur simuliert, so wie hier in einem zukünftigen Impfzentrum in Essen. (picture alliance/dpa | Roland Weihrauch)

In den USA und Großbritannien wird schon gegen Corona geimpft. In Europa steckt derselbe Impfstoff noch im Zulassungsverfahren. Es dauere länger, weil man keine Abstriche bei der Sicherheit mache, betont Gesundheitspolitiker Peter Liese von der CDU.

Nun geht es doch schneller als gedacht: Der Corona-Impfstoff der Unternehmen Pfizer und Biontech könnte bereits vor Weihnachten auch in der EU zugelassen werden. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA will am 21. Dezember ihr Gutachten zum Impfstoff vorlegen: acht Tage früher als geplant, aber immer noch später als in Großbritannien und den USA, wo bereits geimpft wird. 

Nicht langsam, sondern schnell

Die EMA sei nicht zu langsam, sondern "sehr, sehr schnell", sagt Peter Liese, Arzt, Europaabgeordneter der CDU und gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im EU-Parlament. "Was die EMA macht, ist genauer und deshalb sicherer als das, was Großbritannien und die USA gemacht haben."

Erstens, so Liese, habe Biontech nun mehr Informationen über Wirkung und Nebenwirkungen des Impfstoffs geliefert. Zweitens handele es sich in der EU um eine reguläre Zulassung statt einer Notfallzulassung. Damit hafte der Hersteller für den Impfstoff, nicht die Allgemeinheit. Und drittens sei es gut für die Sicherheit, dass in der EU die unterschiedlichen nationalen Behörden mit ihrem jeweiligen Wissen eingebunden seien: In Schweden habe man beispielsweise Erfahrung mit seltenen Nebenwirkungen. 

"Ich glaube, dass wir wirklich mehr Sicherheit haben", sagt Liese und unterstreicht: "Auch in Europa ist noch nie so schnell ein Impfstoff zugelassen worden." Der Rekord liege bisher bei einem Zeitraum von vier Jahren von der ersten Forschung bis zur Zulassung. 

"Ich finde es wirklich schrecklich, dass man sich hier um zwei Wochen streitet", so der Europaabgeordnete. "Auch in Großbritannien, auch in den USA wird niemand ein normales Weihnachtsfest feiern. Auch da werden noch viele, viele Leute viele, viele Monate auf die Impfung warten, weil alle den gleichen Impfstoff kriegen."

Schichtdienst bei der EMA

Dass es trotzdem nun in Europa noch mal schneller gehe mit der Zulassung, sei auch nicht auf politischen Druck, sondern auf Motivation zurückzuführen: 

"Die Mitarbeiter wollen ja auch, dass es schnell geht, die haben ja auch Eltern, die haben ja auch Kinder. Alle warten doch auf den Impfstoff."

Bei der EMA gebe es einen Schichtdienst, sodass Tag und Nacht durchgearbeitet werde, sagt Liese. "Die Intensivpflegekräfte haben auch kein Wochenende. Und die Gastronomen wären froh, wenn sie am Wochenende arbeiten dürften."

Abonnieren Sie unseren Kultur-Newsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail.

Der CDU-Politiker betont, dass auch mit der Zulassung des Impfstoffs noch nicht die Pandemie vorbei sei. "Wir werden uns noch lange gedulden müssen." London sei heute in einen neuen Lockdown gegangen, obwohl bereits geimpft werde.

(jfr)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Erfolge der AfDWeshalb die Rechten im Osten so stark sind
Wahlkampfabschluss der AfD in Berlin zur Bundestagswahl 2021 vor dem Schloss Charlottenburg. Alice Weidel, Spitzenkandidatin der AfD zur Bundestagswahl, steht während ihrer Rede auf der Bühne. (imago / Chris Emil Janßen)

Lokale Verankerung und eine fehlende Auseinandersetzung mit Rechtsradikalismus, das sind Gründe für das gute Abschneiden der AfD in den ostdeutschen Bundesländern, sagt der Soziologe Matthias Quent. Damit habe die Partei "eine gewisse Macht". Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur