Seit 13:00 Uhr Nachrichten
Freitag, 18.06.2021
 
Seit 13:00 Uhr Nachrichten

Interview / Archiv | Beitrag vom 04.06.2020

ImpfgipfelWer bekommt die Corona-Impfung zuerst?

Alessandra Parodi im Gespräch mit Julius Stucke

Polio-Impfung 1958 in den USA. (picture alliance / ZUMA Press / San Antonio Express-News)
Tat weh, aber hat geholfen: eine Polio-Impfung 1958 in den USA. (picture alliance / ZUMA Press / San Antonio Express-News)

UN-Generalsekretär António Guterres fordert: Sobald es eine Corona-Impfung gibt, soll diese weltweit solidarisch eingesetzt werden. Doch die Vergangenheit bietet wenig Anlass zur Hoffnung, dass ein Impfstoff tatsächlich gerecht verteilt wird.

Bei einem Online-Impfgipfel haben sich heute 50 Länder dazu verpflichtet, eine Milliardensumme für Impfungen einzusammeln. Es geht nicht nur um einen Impfstoff gegen das Coronavirus, sondern auch um Impfprogramme gegen Polio, Typhus und Masern. UN-Generalsekretär António Guterres pocht auf globale Solidarität bei der Verteilung, sobald ein Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt sei.

Die Medizinhistorikerin Alessandra Parodi forscht an der Universität Heidelberg zur Geschichte des Impfens. Sie würde sich freuen, sollte die Impfung gegen das Coronavirus tatsächlich schnell und gerecht an alle Menschen verteilt werden, sagt sie. In der Vergangenheit sei das allerdings nicht so gewesen, betont Parodi. Bei anderen Impfstoffen oder Medikamenten hätten ärmere Länder oft erst später Zugang bekommen.

Mehr Aufklärung statt Impfpflicht

Einer Impfpflicht, mit der der Kampf gegen Krankheiten gewonnen werden soll, steht Parodi eher skeptisch gegenüber. In Notfällen sei eine Impflicht vielleicht der letztmögliche Schritt. Sie befürwortet vor allem mehr Aufklärung - und wünscht sich einen "Triumph der Rationalität" über die Angst der Impfgegner.

Parodi betont, wie unterschiedlich die europäischen Länder das Thema Impfpflicht handhaben: Während in Deutschland nur die Masern-Impfung verpflichtend sei, wenn Kinder in die Schule oder den Kindergarten kommen, hätten Nachbarländer wie Italien und Frankreich inzwischen für zahlreiche Krankheiten Pflichtimpfungen.

(jfr)

Mehr zum Thema

WHO-Geberkonferenz - Covid-19: Milliarden für einen Impfstoff
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 04.05.2020)

Sprunginnovationen in Krisenzeiten - "Ein Impfstoff wird uns die Freiheit wiedergeben"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 29.04.2020)

Covid-19-Forschung - Hoffnung auf eine "passive Impfung"
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 28.05.2020)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Werner HaftmannDer SA-Mann, der die documenta miterfand
Verleihung des Lessing-Preises an Werner Haftmann in Hamburg 1962. (imago / Zuma / Keystone)

Eine Schau im Deutschen Historischen Museum zeigt, wie stark die ersten Ausgaben der documenta von einem Kriegsverbrecher beeinflusst wurden. Das habe auch dazu geführt, dass Werke von Nazi-Opfern nicht gezeigt worden seien, sagt Co-Kuratorin Julia Voss.Mehr

Immunologe zum Coronavirus"Die vierte Welle wird kommen"
Eine Mitarbeiterin des Testzentums Covid Control Rügen steht neben einem PKW und testet durchs Autofenster eine Person auf Covid-19.  (picture alliance/dpa | Stefan Sauer)

Im Herbst werden die Coronazahlen wieder steigen, sagt Carsten Watzl von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Er erklärt, wie gefährlich die Delta-Variante ist und warum man sich trotz niedriger Fallzahlen zügig impfen lassen sollte.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur