Illegaler Tierhandel

    Vorsicht beim Welpenkauf

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    Ein Rauhaardackel-Welpe auf einer Decke
    In der Coronapandemie legten sich viele Menschen ein Haustier zu und ließen sich im Internet zum Welpenkauf verleiten. © picture alliance / blickwinkel / H. Schmidt-Roeger
    Sina Hanke im Gespräch mit Ute Welty  · 04.10.2021
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    Tierschützerin Sina Hanke warnt davor, im Internet einen Welpen zu kaufen. Der illegale Handel kommt oft seriös daher, aber die Tiere werden unter katastrophalen Bedingungen "produziert". Besser sei es, einen Hund aus dem Tierheim zu nehmen.
    Wer sich einen süßen Welpen zulegt, muss sehr auf der Hut sein. Für Käufer im Internet sei kaum zu erkennen, ob es sich um einen seriösen Verkäufer oder um illegale Händler handelt, sagt Sina Hanke, Biologin und Tierschützerin im Hamburger Verein "Animal Care".
    Die illegalen Händler haben längst aufgerüstet und täuschen Seriosität vor, sagt Hanke am internationalen Tierschutztag. Wenn sich Händler und Kunden treffen, gibt es dann oft fadenscheinige Erklärungen, warum der Impfpass nicht vorliegt oder das Muttertier gerade Gassi geht. Die Leute wüssten genau, was sie einem erzählen müssten, um nicht aufzufliegen, warnt die Tierschützerin.

    Missstände wie in der Massentierhaltung

    Für den deutschen Markt werden laut Hanke viele Haustiere oft unter katastrophalen Bedingungen, meistens in Osteuropa, regelrecht "produziert. "Da reden wir wirklich von Produktionsstätten im ganz, ganz großen Stil."
    Die Biologin vergleicht die Missstände mit der Massentierhaltung von sogenannten Nutztieren in Deutschland. Es gebe in osteuropäischen Ländern ganze Lagerhallen, in denen Mütterhündinnen unter schlimmen Bedingungen in Käfigen angekettet sind und als "Gebärmaschinen" gehalten werden. Sie dienten nur dazu, um Nachwuchs zu produzieren, kritisiert die Biologin. Nach drei bis fünf Jahren würden sie getötet und ersetzt.

    Hohe Preise für Welpen

    An Welpen lässt sich inzwischen sehr viel verdienen, so Hanke. Früher habe man illegale Händler daran erkannt, dass sie "Billigware" angeboten hätten. "Mittlerweile haben die auch da aufgerüstet."
    Die Preise für Welpen liegen bei solchen Händlern bei 1000 bis 3000 Euro. "Das macht sie dann vermeintlich seriös." Wer online diese Preise sieht, glaubt oft, dass es sich um seriöse Angebote handelt. "Das ist eben nicht der Fall."

    "Fake-Käufe" unter Polizeischutz

    Um Tiere zu retten, wagt Hankes Organisation immer wieder "Fake-Käufe", aber nur in Begleitung der Polizei. Doch die Strafen bleiben oft niedrig. In Hamburg ist es kürzlich gelungen, einen illegalen Großhändler vor Gericht zu bringen, der Anfang des Jahres zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt wurde, berichtet Hanke von einem Erfolg.
    "Das lässt einen natürlich erst mal aufatmen, dass da in die Richtung mal etwas passiert." Allerdings gehe der Anwalt des Händlers noch in Berufung und die Gefängnisstrafe sei noch nicht angetreten.
    Nach dem Haustierboom in der Coronazeit glaubt Hanke, dass die Nachfrage inzwischen wieder sinkt und der Markt so besser reguliert werden kann. Im Tierheim seien viele tolle Tiere zu finden, geimpft und aufgepäppelt.
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