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Konzert / Archiv | Beitrag vom 18.01.2017

Igor Levit mit Beethovens 5. KlavierkonzertDer Kaiser und Es

Aufzeichnung aus Lausanne

Der Pianist Igor Levit (Felix Broede/Website Igor Levit)
Der Pianist Igor Levit (Felix Broede/Website Igor Levit)

Die 2. Sinfonie von Charles Gounod hat mit Beethovens 5. Klavierkonzert mehr gemein als nur die Tonart Es-Dur. Das Orchestre de Chambre Lausanne hat beide Werke kombiniert, unter Leitung von Bertrand de Billy und mit Igor Levit als Solisten.

Das fünfte und letzte Klavierkonzert Ludwig van Beethovens wird bis heute oft übermäßig ernst und schwergewichtig verstanden, wegen seiner Tonart und sonstigen Nähe zur dritten Sinfonie des Komponisten, der Eroica, und wegen der zeitgeschichtlichen Umstände seines Entstehens. Dass ein Musikverleger diesem Klavierkonzert auch noch den Titel "The Emperor" gab, hat diese Gravität noch verschärft. In der Tat hat das Konzert sinfonische Dimensionen und führt weg vom Virtuosenkonzert mit stark improvisatorischer Note. Doch dieses Stück als erneute Auseinandersetzung Beethovens mit dem Feindbild "Napoleon" zu verstehen, geht dann doch zu weit. Geschrieben und gewidmet hat der Komponist das Werk außerdem einem adligen Dilettanten, dem Erzherzog Rudolf von Österreich. Der hat das Werk auch uraufgeführt, allerdings nicht öffentlich. Anders als die vier anderen Klavierkonzerte hat der Meister selbst das Es-Dur-Konzert nicht mehr gespielt. Sein Gehör war schon zu schlecht und das Werk zu kompliziert geraten.

Eher ein ausgewiesener Opern- und Sakralkomponist ist Charles Gounod. Gemeinhin gelten ja französische Komponisten bis heute nicht so sehr als Sinfoniker, selbst wenn sie einige Werke der Gattung geschrieben haben. Das ist bei Gounod nicht anders, der binnen eines Jahres (1855) zwei Sinfonien komponiert und sich dabei zuerst an Haydn und in seiner zweiten an - wen wundert's - Beethoven orientiert hat. Dass ihm eigenständige und originelle Beiträge zur Gattung gelungen sind, beweist diese Konzertaufnahme aus der Lausanner Salle Métropole, in der Beethovens letztes Klavierkonzert auf Gounods zweite Sinfonie trifft.

Mit dem ständigen Gastdirigenten Bertrand de Billy, der zuvor Musikdirektor des ORF-Radiosinfonieorchesters Wien war und zugleich regelmäßig am Opernhaus Frankfurt am Main arbeitet, und dem renommierten und vielbeschäftigten Pianisten Igor Levit standen dem Orchestre de Chambre de Lausanne zwei ausgewiesene Spezialisten für dieses Repertoire zur Verfügung.

Igor Levit gibt in der Sendung in einem aktuellen Gespräch Auskunft über seine Haltung zu Beethovens Fünftem Klavierkonzert, das häufig als "heroisch" missverstanden wird, und auch über die Wahl seiner Zugabenstücke. 

Salle Métropole, Lausanne
Aufzeichnung vom 10. Januar 2017

Charles Gounod
Sinfonie Nr. 2 Es-Dur

Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op. 73

Igor Levit, Klavier
Orchestre de Chambre de Lausanne
Leitung: Bertrand de Billy

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