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Interview / Archiv | Beitrag vom 07.04.2020

IfW-Chef Felbermayr über Globalisierung"Die Welt wird hochvernetzt bleiben"

Gabriel Felbermayr im Gespräch mit Axel Rahmlow

Gabriel Felbermayr, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, im September 2018 (picture alliance / apa / Herbert Pfarrhofer)
Ein Ende der Globalisierung sei nicht wünschenswert, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Felbermayr. (picture alliance / apa / Herbert Pfarrhofer)

Weil die Welt so eng verflochten wirtschaftet, hatte Corona leichtes Spiel. "Ein Ende der Globalisierung ist das nicht", sagt Gabriel Felbermayr vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Doch einige Wirtschaftsstrategien müssten auf den Prüfstand.

Das Coronavirus verbreitet sich auch deshalb so schnell, weil die Welt wirtschaftlich so eng miteinander verflochten ist. Hinzukommt eine rasante, durchaus gewollte, aber kaum kontrollierbare Zunahme der Mobilität – im Beruf, im Tourismus, aber auch durch die vielen Flüchtlingsströme in den letzten Jahrzehnten. Ist all dies jetzt durch die Pandemie zu Ende?

Globalisierungsgegner fühlen sich bestätigt und fordern eine Abkehr von den starken Verflechtungen. Für Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) an der Universität Kiel, ist ein Ende der Globalisierung nicht nur unrealistisch, sondern auch nicht wünschenswert.

Das Kind dürfe jetzt nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden, sagt der Wirtschaftswissenschaftler: "Die Coronapandemie wird sicherlich eine Veränderung der internationalen Handelsbeziehungen mit sich bringen, vielleicht auch eine Verlangsamung. Aber ein Ende der Globalisierung ist das nicht."

Systemrelevante Produkte dezentral herstellen

Die Welt werde hochvernetzt bleiben – und auf die Vorteile internationaler Arbeitsteilung könne nicht verzichtet werden. "Mir fehlt ganz einfach die Fantasie mir vorzustellen, warum wir auf Rezepte verzichten sollten, die in der Vergangenheit gut funktioniert haben."

Coronavirus-NewsletterGleichwohl werden sich einige Dinge ändern müssen, sagt Felbermayr. Dazu gehöre die Zentralisierung von Produktionsstätten. Die derzeitige Krise zeige, dass es beispielsweise eine denkbar schlechte Idee sei, systemrelevante Produkte wie etwa Penicillin nur noch in einem Land, nämlich China, herstellen zu lassen. Sei dieser Warenstrom unterbrochen, habe die ganze Welt ein Problem.

Für die Verbraucher wird es teurer

Für die Verbraucher würden durch eine kostenintensivere Dezentralisierung der Produktion letztlich viele Waren wieder teurer. Aber, betonte Felbermayr, auch die Qualität der Waren könne wieder steigen, wenn nicht alles nur in einer Produktionsstätte hergestellt werde.

Der Wirtschaftswissenschaftler rechnet zudem damit, dass als eine Folge der Coronakrise deutlich mehr Produktionsstätten direkt in Abnehmerländern entstehen werden – und dass der seit Corona als risikoreich eingestufte starke internationale Güterverkehr dadurch abnehmen wird.

(mkn)

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