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Konzert / Archiv | Beitrag vom 10.07.2021

"Idomeneo" beim Mozartfest WürzburgWenn Neptun ein Herz zeigt

Moderation: Stefan Lang

Foto des Kopfes der Neptunstatue mit wilden Locken und Dreizack im Hintergrund vor leicht bewölktem Himmel. (imago / ANE Edition)
Neptun zeigt sich in Mozarts Oper "Idomeneo" erst als wütender und schließlich als milder Gott, als er die Liebenden zum Königspaar erklärt. (imago / ANE Edition)

Zu seiner 100. Ausgabe präsentiert das Mozartfest Würzburg die Oper "Idomeneo". Es ist die Geschichte um den König, der für eine sichere Schiffspassage ein Opfer an Neptun verspricht. Leider trifft es seinen Sohn – doch Neptun verzichtet großzügig.

Die 100. Ausgabe des Mozartfestes Würzburg erlebte einen Höhepunkt mit der konzertanten Aufführung der Mozart-Oper "Idomeneo". Dieses Werk liegt der Festivalleitung besonders am Herzen, so die Intendantin Evelyn Meining, denn sie war die erste Opernaufführung beim Festival überhaupt.

Blick in die Geschichte

Das war im Jahr 1931, zehn Jahre nach der Gründung des Mozartfestes. "Mag sein, dass die Oper 1931 150 Jahre Uraufführungsdatum hatte", so Meining. Es war zu Beginn des 20. Jahrhunderts jene Mozart-Oper, die eine Renaissance erlebte, der verstärkt Aufmerksamkeit zukam, ist sie doch die Mozart-Oper mit gewaltigem Choreinsatz. Auch zum 200. Uraufführungs-Jubiläum der Oper wurde diese beim Festival in Würzburg erneut gefeiert.

"Daher haben wir in der Beschäftigung mit der Festspielgeschichte entschieden, den 'Idomeneo' wieder zur Aufführung zu bringen." Ein Mozartfest sei auch ohne Oper gar nicht denkbar, so die Intendantin weiter, denn seine Musik sei voller Bühnendramatik.

In einem hohen Saal mit vielen Fenstern und barocker Dekoration stehen Musiker und Sängerinnnen auf einer Bühne. (Mozartfest Würzburg / Dita Vollmond)Barocker Rahmen für Mozarts "Idomeneo" beim diesjährigen Mozartfest in Würzburg. (Mozartfest Würzburg / Dita Vollmond)

Den Auftrag erhielt Mozart im Jahr 1780: Er sollte eine Oper für die Karnevalsaison komponieren. Die Handlung basiert auf einem griechischen Stoff, der kurz nach dem Trojanischen Krieg auf Kreta spielt.

Ein Schwur für den Meeresgott

Auf Kreta wartet Idamante auf seinen Vater Idomeneo, der nach erfolgreichem Kriegszug bei einer Schiffspassage ins Unwetter gerät und Neptun um Rettung anfleht. Dieser beruhigt die Winde, doch der Preis ist hoch. Neptun fordert ein Opfer: den ersten Menschen, der Idomeneo am Strand begegnet. Das ist sein Sohn. Zuerst verweigert der König dem Gott sein Opfer, der Sohn solle fliehen, zusammen mit seiner Braut Elettra. 

Elettra ist froh, Kreta zu verlassen, denn der ihr versprochene Idamante hat sich einer anderen Frau, einer gefangenen Prinzessin zugewandt: Ilia. Beide lieben sich – Elettra ist verzweifelt, auch wenn die Prinzessin vor Zeugen erklärt, sie verzichte auf Idamante. Doch ein Ungeheuer, der verwandelte Neptun persönlich, will diese Fahrt aufhalten. Idamante stellt sich im Kampf tapfer, aber der Schwur muss letztendlich doch eingelöst werden. 

Happy End für fast alle

Die Opferzeremonie wird im Tempel eingeläutet, der Vater soll den Sohn töten. Da springt die Prinzessin herbei und will die Opferrolle übernehmen. Da hat Neptun ein Einsehen und lässt die Götterfigur im Tempel sprechen: Idomeneo soll die Krone an seinen Sohn Idamante weitergeben. Er soll neuer König sein, aber nur, wenn er seine geliebte Prinzessin Ilia zur Frau nehme. Elettra, seine ursprüngliche Braut, geht leer aus. Aber das Volk jubelt.

Mozarts Oper in seiner Zeit

In der Pause zwischen Akt zwei und drei folgt ein Essay von Laurentz Lütteken. Darin präsentiert er einen historischen Blick auf die Oper, wie sie in ihre Zeit passte und welche Rolle dem Ungeheuer in Mozarts Schaffen zukommt:
"in einem so kleinen Kopf so was grosses" [AUDIO]

Mozartfest Würzburg 2021
Aufzeichnung vom 11. Juni 2021 aus dem Kaisersaal der Residenz

Wolfgang Amadeus Mozart
"Idomeneo, Rè di Creta"  KV 366
Opera seria nach einem Libretto von Giambattista Varesco

Idomeneo, König von Kreta - Giulio Pelligra, Tenor    
Idamante. Sohn des Idomeneo - Maité Beaumont, Mezzosopran  
Ilia, Prinzessin von Troja - Judith van Wanroij, Sopran
Elettra, Tochter des Agamemnon - Lenneke Ruiten, Sopran   
Arbace, Vertauter des Königs - Nicholas Scott, Tenor  
Stimme/ ein Trojanischer Gefangener - Matthieu Heim, Bassbariton

Vokalensemble des Mozartfestes:
Anne Feith, Stefanie Wagner, Katharinea Flierl, Nina Schumertl, Oliver Kringel, Stefan Schneider, Jakob Mack, Elias Wolf

Les Talens Lyriques
Leitung: Christoph Rousset

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