Seit 23:05 Uhr Fazit

Dienstag, 25.06.2019
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Fazit | Beitrag vom 15.01.2019

"I am Europe" in StraßburgKurze Momente der Verzweiflung

Von Eberhard Spreng

Beitrag hören Podcast abonnieren
Auf einer Theaterbühne schwenkt ein Mann in blauem Pelz grimmig eine große Flagge. (Jean-Louis Fernandez)
Szene aus "I am Europe" in der Regie von Falk Richter am Théâtre National de Strasbourg. (Jean-Louis Fernandez)

Was bedeutet Europa auf der persönlichen Ebene? Der Regisseur Falk Richter macht in Straßburg provokatives Bekenntnistheater und Polit-Kabarett - das erfrischend unterhaltsame Stück "I am Europe" findet fast ungeteilte Zustimmung.

Seit 2014 hat Falk Richter mit seinem achtköpfigen Ensemble von Schauspieler, Tänzern und Performern nach der Antwort auf die Frage gesucht, was Europa auf der persönlichen Ebene für sein Ensemble bedeutet.

Das Ergebnis ist ein sehr unterhaltender Mix aus Bekenntnistheater, Polit-Kabarett, Agit-Prop und kurzen (zu kurzen) Momenten der Verzweiflung an den aktuellen europäischen Zuständen.

Nur einmal, wenn Emmanuels Macrons verächtliche Aussprüche über die Minderbemittelten der französischen Gesellschaft karikiert werden, regt sich im Premierenpublikum lautstarker Widerspruch.

Ansonsten kann der Regisseur, dem seine Auseinandersetzung mit radikalen rechten Tendenzen in Deutschland in seiner Arbeit "Fear" ein Klageverfahren einbrachte, mit seiner neuen Arbeit auf ungeteilte Zustimmung hoffen.

Erhellende Satire

Unterhaltend, erfrischend provokativ ist sein Mix aus persönlichen Biografien, privaten Hoffnungen, kontroversen Diskussionen und dem Kampf um mentale Autonomie im Krieg der sozialen Netzwerke.  Auch die beißende Satire über das Profil des förderungsverdächtigen Kulturarbeiters ist erhellend: "Diversity" und biografische Komplexität ist das derzeitige Modekriterium für Kulturförderer.

"I am Europe" ist Polit-Entertainment, das zu selten Mut hat für den Blick in die persönlichen Abgründe.

Informationen des Théâtre National de Strasbourg zu "I am Europe"

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur