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Interview | Beitrag vom 15.06.2019

Hund und MenschEine tausende Jahre alte Liebesbeziehung

Thomas Macho im Gespräch mit Ute Welty

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Eine Frau sitzt auf einem Stein und lächelt ihren Hund an, der zu ihr aufschaut.   (Unsplash / Jenny Marvin)
Ob Collie, Mops oder Retriever – mehr als neun Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten. (Unsplash / Jenny Marvin)

"Man streitet immer noch darüber, ob die Menschen die Hunde oder die Hunde die Menschen domestiziert haben", sagt der Kulturwissenschaftler Thomas Macho. War der Hund früher vor allem ein Nutztier, ist er heute für manche Menschen sogar ein Partnerersatz.

Irgendwann vor 30.000 vielleicht auch vor 100.000 Jahren muss es passiert sein, dass der Wolf zum Hund und zum "Besten Freund des Menschen" wurde. "Das ist eine sehr interessante, spannende und umstrittene Geschichte, bei der eigentlich nur feststeht, dass aller Voraussicht nach, der Hund das erste Tier ist, das domestiziert wurde", sagt Thomas Macho, Leiter des internationalen Forschungszentrums für Kulturwissenschaften Linz in Wien. "Und man streitet immer noch darüber, ob die Menschen die Hunde oder die Hunde die Menschen domestiziert haben."

Fruchtbare Begegnung

Gemeinsame Interessen bei der Nahrungssuche könnten den Grundstein für diese besondere Beziehung gelegt haben, so Macho. "Menschen waren nicht immer Jäger. Sehr viel häufiger in ihrer Geschichte haben sie die Jagd anderer Tiere genutzt, das heißt das Aas, das übrig geblieben ist, nachdem große Raubtiere ihre Tiere geschlagen hatten, das man dann verzehrt hat", erklärt Thomas Macho. "Und da müssen sich Wölfe und Menschen irgendwie gefunden haben. Wie genau, weiß man auch nicht. Aber es ist offenbar eine Form von Zusammenleben dabei entstanden, das dann für beide Seiten fruchtbar war."

In der Moderne wurde der Hund zum reinen Haustier 

Ob als Hüte-, Wach- oder Jagdhund seit tausenden Jahren lebt der Mensch mit dem Hund zusammen. Inzwischen ist der Hund immer weniger ein Nutztier, das für den Mensch arbeitet, sondern ein vollwertiges Familienmitglied, das mit Leckerlies und vielleicht sogar mit einem Besuch im Hunde-Spa verwöhnt wird. Die Unterscheidung zwischen Haus- und Nutztieren und der damit grundlegend andere Umgang mit den Tieren sei ungefähr 200 Jahre alt, erklärt Macho.

"Ursprünglich hatten wir Haustiere, mit denen wir zusammenleben, mit denen wir zusammen arbeiten, zusammen wohnen. Und spätestens mit der Moderne trennen sich die Wege. Auf der einen Seite gibt es die Tiere, die wir nur nutzen, und die man auch nicht mehr Haustiere nennen könnte, sondern nur noch Nutztiere. Und auf der anderen Seite gibt es die Heimtiere, die für uns wichtig sind und mit denen wir kommunizieren, die auch so etwas wie ein psychischer Partner oder Partnerin für uns sind. Und das trennt sich ganz stark voneinander und führt natürlich auch dazu, dass wir ganz verschiedene Haltungen einnehmen."

Während das Schwein als anonymes Schnitzel auf dem Tellern landet, wird der Hund für manche Menschen zum Partnerersatz.

(mwl)

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