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Tonart | Beitrag vom 23.01.2018

Hugh MasekelaDer Vater des afrikanischen Jazz ist tot

Dirk Schneider im Gespräch mit Carsten Beyer

Der südafrikanische Musiker Hugh Masekela im Oktober 2016. (imago stock&people)
Der südafrikanische Musiker Hugh Masekela im Oktober 2016. (imago stock&people)

Hugh Masekela gilt als Begründer des südafrikanischen Jazz. Sein Song "Soweto Blues" wurde zu einer Art Hymne der Anti-Apartheid-Bewegung. Nun ist der Musiker im Alter von 78 Jahren gestorben.

Carsten Beyer: Er war einer der wichtigsten Musiker in der Geschichte Südafrikas: Hugh Masekela, Trompeter, Komponist und Sänger, ein Pionier des Afro-Jazz ist heute Nacht in einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Johannesburg gestorben. Diese Nachricht hat seine Familie über Masekelas offiziellen Twitter-Account verbreitet wurde. 78 Jahre ist er alt geworden – der Mann, der zu den wichtigsten Kämpfern gegen die Apartheid in Südafrika zählte: "Unser Land hat einen einzigartigen Musiker verloren", hat der südafrikanische Kulturminister getwittert. "Masekelas Musik hat die Herzen der Menschen höher schlagen lassen." Bei mir im Studio ist jetzt mein Redakteur Dirk Schneider. Diese Meldung ist ja noch ganz frisch: Weiß man den schon, woran Hugh Masekela gestorben ist?

Dirk Schneider: Prostata-Krebs, war schon seit zehn Jahren in Behandlung, und ist friedlich eingeschlafen, so ist jedenfalls zu lesen.

Ikone der Anti-Apartheid-Bewegung

Beyer: Hugh Masekela gilt als Vater des afrikanischen Jazz, er war aber auch ein Musiker von internationaler Bedeutung, richtig?

Schneider: Ja, Vater des südafrikanischen Jazz und Ikone der Anti-Apartheid-Bewegung. Er hat mit seiner Band Jazz Epistles das erste südafrikanische Modern-Jazz-Album eingespielt, das war 1959 und bis heute ein Meilenstein in der Geschichte des afrikanischen Jazz. 1961 hat er das Land verlassen, nach dem Massaker von Sharpeville, damals wurden 69 unbewaffnete Menschen von der Polizei erschossen, mit Maschinengewehren, unter ihnen Frauen und Kinder.

Masekela ist erst nach London gegangen, wurde dann von Miriam Makeba nach New York eingeladen. Es gab natürlich Verbindungen mit der Bürgerrechtsbewegung der USA. Masekela lernte Dizzie Gillespie und Harry Belafonte kennen, studierte an der Manhatten School of Music klassische Trompete. Er hat damals schon populäre südafrikanische Musikstile wie Kwela oder Mbaqanga mit Funk und Jazz gemischt. Er ist bei der berühmten 1967er-Ausgabe des Monterey Pop Festivals aufgetreten und hat mit vielen Größen dieser Zeit musiziert, mit den Byrds, mit Jimi Hendrix und Janis Joplin. Mit "Grazing In the Grass" hatte er 1968 in den USA sogar einen Nr. 1-Hit.

In den Siebzigern ging Masekela wieder zurück nach Afrika, lebte in Guinea, Zaire und Nigeria. Er nahm mehrere Alben mit Fela Kuti auf und organisierte das Musikfestival Zaire 74, das ja zusammen mit dem berühmten Boxkampf Ali gegen Foreman al s Rumble in the Jungle in die Geschichte einging. Er ging in den 80er-Jahren zurück nach Südafrika und gründete in Botswana eine Musikschule. Auf die verübten die südafrikanischen Streitkräfte einen Anschlag, 16 Tote gab es, und Hugh Masekela ging wieder in die USA. Er wurde eine der Größen der sogenannten Weltmusik, als er mit Paul Simon auf seine Graceland-Tour ging. Berühmt wurde sein Song "Bring Him Back Home", mit der Band Kalahari, mit dem er 1987 Nelson Mandelas Freilassung forderte und das natürlich in Südafrika nicht gespielt werden durfte.

Nach 1990 kehrte er dann nach Südafrika zurück, war bereits eine lebende Legende, hat viele Auszeichnungen bekommen. 2010 hat er die Fußball-WM in Südafrika eröffnet, er hat im Weißen Haus gespielt, und natürlich zusammen mit vielen Musikern und Bands, die sich mit Südafrika verbunden fühlten, unter anderem mit U2.

Schnittstelle zwischen den Kontinenten

Beyer: Heute gibt es ja eine sehr große Aufmerksamkeit für Musik aus Afrika, ist das auch ein Verdienst von Masekela?

Schneider: Und man muss sich das natürlich vorstellen, Afrika war damals musikalisch nicht auf der Weltkarte zumindest einer weißen Bevölkerung zu finden, es gab noch nicht das, was man heute Weltmusik nennt, und es war noch lange hin, bis Musiker aus Europa und den USA nach Afrika pilgern würden, um etwas über die Musik des Kontinents zu erfahren. Und natürlich hat Masekela ja auch eine interessante Reise als Musiker gemacht, er hat in Afrika den Jazz aus den USA aufgenommen, und ihn quasi zwischen Afrika und den USA hin- und hertransportiert. Er war also eine bedeutende musikalische Schnittstelle zwischen den Kontinenten, und ist wirklich also kaum zu überschätzen als Botschafter Südafrikas, ja Afrikas und als Musiker zwischen Afrika und den USA und damit natürlich auch für die europäische Musik.

Mehr zum Thema

Die Rhythmen des "Rumble in the Jungle" - Tage voller Musik und Kämpfe
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 04.07.2017)

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