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Rang I | Beitrag vom 12.09.2020

"House of German Angst" in GießenVerletzliche Hautwesen und Zombies

Philipp Karau im Gespräch mit André Mumot

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Szenenfoto aus "House of German Angst" zeigt die Performance-Gruppe SKART in Latexmasken (Daniel Regel)
Halb verletzliche Hautwesen in Latexmasken, halb beängstigende Zombies: die Performance-Gruppe SKART in „House of German Angst“. (Daniel Regel)

Die Performance-Gruppe SKART lädt am Stadttheater Gießen zu einem Schreckenstrip ein. Ihr Stück heißt "House of German Angst". Dabei geht es nicht nur um den sorgenvollen Blick der Deutschen in die Zukunft, verspricht der Performer Philipp Karau.

Es ist ein international bekannter Begriff: die "German Angst", die deutsche Angst. Man sagt uns nach, eine besonders besorgte Nation zu sein. Ist das ein Klischee? Oder tatsächlich so?

Was bedeutet das für ein Theater, das sein Publikum jetzt wieder in geschlossene Räume einladen möchte? Die Performancegruppe SKART nimmt sich nun dieses Themas in einem Doppelpassprojekt mit dem Stadttheater Gießen an. "House of German Angst" heißt der Abend, der am 16. September Premiere feiert. 

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Der Performer Philipp Karau, der die Gruppe zusammen mit seinem Kollegen Mark Schröppel ins Leben gerufen hat, erklärt was die Abkürzung SKART bedeutet: "Schröppel Karau Art Repetition Technologies." Ein ironischer Bezug zu großen Firmennamen und zugleich ein Verweis auf das Skart-Kabel, das in technisch komplexen Produktionen natürlich eine große Rolle spielt.

Die Arbeit an ihrem aktuellen Projekt reicht dabei schon eine Weile zurück. "Das Interesse an dem Thema ist schon vor einigen Jahren entstanden", wie Karau berichtet, "als noch die sogenannte Flüchtlingskrise von 2015 stark nachwirkte".

Wert des Zusammenseins

Das Aufkommen populistischer Strömungen, wie die Pegida-Bewegung, habe ebenfalls starken Einfluss gehabt. "Von daher war uns das in der Zeit recht präsent. Wir haben uns dann überlegt: Wie können wir das in einen pointierten Ausgangspunkt bekommen. Da war es naheliegend, als Deutsche, die hier in diesem Land leben, das mit dem Schlagwort 'German Angst' zu verbinden."

Angst, das hat ihre Recherche ergeben, ist keineswegs auf unser Land beschränkt. Es gebe aber doch etwas Typisches: "Vielleicht ein sorgenvoller Blick in die Zukunft oder in einer gewissen Art Bedenkenträger zu sein." In der Coronazeit habe die Angst aber auch ihre positiven und konstruktiven Seiten gezeigt, wie Karau einräumt:

"Ein Stück weit kann man schon wahrnehmen, dass das vielleicht die Solidargemeinschaft gestärkt hat oder man sich in einer gewissen Weise auch für das Miteinander sensibilisiert hat, darauf, auch auf andere Menschen zu achten. In dem Moment, wo man auch ganz bewusst den direkten Kontakt zu anderen meidet, wird einem vermutlich auch der Wert von sozialen Interaktionen und vom Zusammensein noch mal ganz anders klar."

Subjektiver Blick auf Angst

In der Aufführung erwartet das Publikum eine museale Situation und ein Raum voller Performerinnen und Performer - halb verletzliche Hautwesen in Latexmasken, halb beängstigende Zombies. Die Gruppe habe bald festgestellt, "dass es für uns nicht infrage kommt, diverse Ängste auszustellen, zu verwerten, zu verarbeiten und zu überarbeiten; eben auch Ängste, die jetzt mit Rassismus, mit Überfremdung, mit dem Hass zu tun haben, sondern dass wir einen subjektiven Blick auf das Thema Angst gewählt haben".

(amu)

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