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Interview | Beitrag vom 23.10.2019

Hooligans gegen SatzbauDie AfD mit eigenen Mitteln schlagen

Moderation: Axel Rahmlow

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Screenshot der Facebook-Seite von "Hooligans gegen Satzbau" (Facebook/Hooligans gegen Satzbau)
Die Satire-Gruppe "Hooligans gegen Satzbau" erinnert an rassistische Zitate von AfD-Mitgliedern. (Facebook/Hooligans gegen Satzbau)

Abgebrochene Vorträge, Hetze im Netz - und nun verbreiten sogar AfD-Gegner rassistische Zitate von Politikern der Partei in den sozialen Medien, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Aufregung oder Aufklärung?

Es steht schlecht um die Debattenkultur in Deutschland. Das findet zumindest der Chefradakteur der "Welt", Ulf Poschardt. Ähnlich äußerte sich zuvor bereits Bundestagspräsident Norbert Lammert: "Je schlicht vernünftiger das ist, was man gesagt hat, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es viele erreicht. Denn es wird nicht transportiert."

Die Ereignisse der vergangen Tage scheinen diese Einschätzung einer immer aufgeregteren Debattenkultur zu stützen: Zum zweiten Mal musste der ehemalige AfD-Chef Bernd Lucke seine Vorlesung über Makroökonomie an der Uni Hamburg abbrechen, weil es vor dem Hörsaal zu Tumulten kam. Im Netz beschimpfen rechte Aktivisten Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen, Politiker und Journalisten. Und in Göttingen verhinderten linke Aktivisten Anfang der Woche eine Lesung des ehemaligen Innenministers Thomas de Maiziere.

Die Medienstrategie der AfD

Zur Frage, wie und mit welchen Mitteln Debatten zu führen sind, kommt nun ein weiterer Fall: In den sozialen Medien kursiert ein Zitat des AfD-Politikers Nicolaus Fest. Es sieht auf den ersten Blick so aus wie ein Statement, das die AfD in den sozialen Medien verbreitet. Das Zitat auf dem Foto ist von Fest. Aber verbreitet worden ist es von AfD-Gegnern, nämlich von der Satire-Gruppe "Hooligans gegen Satzbau".

Die Gruppe tritt anonym auf, aber ein Sprecher der Gruppe sagte, man wolle mit der Aktion die zweigleisige Medienstrategie der AfD unterlaufen. Die Partei versuche einerseits, mit rassistischen und rechtsextremen Provokationen Aufmerksamkeit zu erregen. Gleichzeitig versuche sie, sich als bürgerliche Partei zu inszenieren.

"Das funktioniert natürlich nur, wenn man alle zwei Wochen wieder vergisst, was man vor einiger Zeit gesagt hat", sagt der Sprecher von "Hooligans gegen Satzbau". Zu solchen vergessenen Zitaten gehöre zum Beispiel, dass Adolf Hitler "nicht ausschließlich böse" sei, oder eben – wie im aktuellen Fall von Nikolaus Fest, "dass man 'Gastarbeiter' rief, aber 'Gesindel' kam".

"Die AfD ist eine gefährliche, rechtsextreme Gruppierung"

Durch die Veröffentlichung des Zitats, das Fest so in der Vergangenheit auf seiner Facebook-Seite geäußert habe, mache man keine Werbung für die AfD, sondern zeige auf, "dass die AfD keine harmlose Partei ist, sondern eine gefährliche, rechtsextreme Gruppierung".

Hat die Gruppe mit der erneuten Verbreitung des Zitats nicht auch jene Menschen mit Migrationshintergrund getäuscht, die sich jetzt in den sozialen Netzen zu Wort melden und sagen, ihre Eltern hätten Besseres verdient, als dass die AfD nun erneut die kalkulierte Aufmerksamkeit für einen rassistische Spruch bekomme? Und was trägt eine solche Aktion zu einer Versachlichung der Debatte bei?

Der Sprecher der Gruppe "Hooligans gegen Satzbau" sagt, für eine Versachlichung der Debatte gebe es genug Soziologen und Politikwissenschaftler, die sich mit der AfD beschäftigen. Es ginge mit der Aktion darum, Werkzeuge und Methoden der Partei aufzuzeigen: "Wir wenden das, was die AfD tut, auf sie selbst an." Die Aktion wolle vor allem zeigen, wie weit das Denken der Partei in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen sei.

(sed)

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