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Nachspiel | Beitrag vom 01.11.2020

Homosexualität im EishockeyDie Geschichte von Jon Lee-Olsen

Von Martin Hyun

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Der Eishockeyspieler Jon Lee-Olsen bei einem Spiel in Kopenhagen. (Imago Images / Ritzau Scanpix / Thomas Sjoerup)
Nach seinem Coming-out ist Jon Lee-Olson ein gefragtes Vorbild in der LGBTQ-Szene. (Imago Images / Ritzau Scanpix / Thomas Sjoerup)

Im männlichen Profisport wird Homosexualität nach wie vor verleugnet. Viele der Sportler verkünden erst nach ihrem Karriereende, dass sie schwul sind. So lange wollte der dänische Eishockeyprofi Jon Lee-Olson nicht warten.

"Es besteht die Gefahr, dass einige Leute mich provozieren wollen, wenn ich spiele", sagte Jon Lee-Olson während eines Fernsehinterviews im Oktober letzten Jahres. "Darauf muss ich vorbereitet sein. Das erfordert Reife. Aber ich habe das Gefühl, dass ich bereit bin zu zeigen, dass man schwul sein und Eishockey spielen kann."

In der Eishockeykabine herrscht für gewöhnlich eine extrem heterosexuelle Atmosphäre. Die Identität des Sports steht für Härte, Maskulinität, Machismo und Gewalt.

Der schwedische Eishockeyprofi Lars Peter Karlsson wurde im Jahr 1995 auf Grund seiner Homosexualität von einem Skinhead aus der Neonaziszene mit über 60 Messerstichen niedergestochen. Er wurde nur 29 Jahre alt. Jon Lee-Olson ist 28 Jahre alt und erst der zweite, der sich als aktiver Profi-Eishockeyspieler outete.

"Bin so dankbar, dass ich mich geoutet habe"

"Es war wirklich hart für mich, vor allem bevor ich Profi wurde", erzählt er. "Man weiß nie, wie die Karriere sonst verläuft, wenn man plötzlich herausfindet, wer man ist. Als Homosexueller fühlte ich mich lange Zeit nicht wirklich wohl mit mir selbst, weil man nicht weiß, wie die Leute reagieren werden. Wie du sagtest, ist Eishockey ein harter Sport. Man wird beschimpft und da fällt schon einmal das ein oder andere Wort. Es kann sehr schwer sein, wirklich zu sich selbst zu finden. Für mich hat es lange gedauert, aber ich bin so dankbar, dass ich mich geoutet habe und nun mehr ich selbst sein kann."

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Für Lee-Olsons mutigen Schritt erntete er viel Zuspruch und Anerkennung von der internationalen Eishockeywelt. Auch von der NHL. Die nordamerikanische Profi-Liga NHL setzt sich seit vielen Jahren für eine inklusive Liga ein, die LGBTQ-Athleten, Trainer und Fans mit einbezieht. LGBTQ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, queere, intersexuelle und asexuelle Menschen. Jährlich halten NHL-Teams sogenannte "Pride Nights" oder "Inclusion Nights".

Auch die Spieler der "New Jersey Devils" machen sich dafür stark: "Wir glauben, dass Sportler nach ihrem Charakter, ihrer Arbeitsethik und ihrem Talent beurteilt werden sollten und nicht nach ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität. Es geht um Respekt. Respekt für unsere Teamkollegen. Respekt für unsere Fans. Respekt für unser Spiel. Wenn wir uns gegenseitig respektieren können, können wir ein besseres Team werden. Wir verpflichten uns, den Umkleideraum zu einem sicheren Ort für alle zu machen."

Gefragtes Vorbild in der LGBTQ-Szene

Nach seinem Coming-out ist Jon Lee-Olson ein gefragtes Vorbild in der LGBTQ-Szene. Für die World Pride 2021 in Kopenhagen und Euro Games 2021 in Malmö, beide Veranstaltungen sind für das kommende Jahr geplant, fungiert Lee-Olson als Botschafter.

"Gerne würde ich im nächsten Jahr etwas in Kopenhagen mit dem Eishockey machen", sagt er, "vielleicht eine 'Pride Week' oder ‚Pride Night‘ veranstalten, wo wir über Inklusion im Sport diskutieren können."

Im Januar outete sich der "Manchester Storm"-Spieler Zach Sullivan aus England als bisexuell während eines "Pride Weekends". Erst kürzlich hatte sich das kanadische Nachwuchstalent Yanic Dupelessis als homosexuell geoutet.

Eins hat jedoch Lee-Olson auf jeden Fall bewirkt – Teenager, die gerade erst mit dem Eishockey anfangen und auch lernen müssen, ihre eigene Sexualität zu verstehen, haben nun jemanden, zu dem sie aufschauen können, und die Gewissheit, dass es kein Problem ist, "homosexuell zu sein und Eishockey zu spielen".

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