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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 01.05.2020

Homeoffice in der CoronakriseDurchbruch für mobiles Arbeiten?

Von Gerhard Schröder

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Aus Vogelperspektive sind zwei tippende Hände an einem Laptop mit Handy und Kopfhörern auf einem Holztisch aufgenommen. (picture alliance / Fotostand / Schmitt)
Homeoffice – eine Arbeitssituation, die für viele unmittelbar mit der Coronakrise verbunden ist. (picture alliance / Fotostand / Schmitt)

Die Coronakrise hat geschafft, was lange Zeit nur schwer in Deutschland durchsetzbar war. Flächendeckend wird mobil gearbeitet. Ein Kulturwandel hat eingesetzt, glauben viele Experten. Deutschland macht sich auf in die digitale Zukunft.

Viele Betriebe arbeiten derzeit im Notbetrieb. Wer kann, arbeitet im Homeoffice. Die Coronakrise sei ein "ungeplanter Feldversuch in mobilem Arbeiten", konstatiert Robert Fuß von der Industriegewerkschaft Metall im Deutschlandfunk Kultur.

Das sei für die Beschäftigten nicht immer einfach, viele hätten gar kein Arbeitszimmer, es müsse viel improvisiert werden. Aber insgesamt habe das überraschend gut geklappt, hat auch die Nürnberger Arbeitssoziologin Sabine Pfeiffer beobachtet. Die These, die Deutschen seien Digitalisierungsmuffel sei widerlegt.

Allerdings hätten viele auch die negativen Seiten des mobilen Arbeitens kennengelernt: Oft fehle die digitale Infrastruktur, die Betriebe seien nicht auf Homeoffice vorbereitet, die Kommunikation mit Kollegen und Vorgesetzten sei mühsamer geworden. "Insofern erleben wir derzeit auch ein bisschen eine Entzauberung des mobilen Arbeitens", sagt Pfeiffer.

Gleichwohl stimmt sie Martin Krzywdzinski vom Wissenschaftszentrum Berlin zu. "Die Coronakrise hat einen Kulturwandel ausgelöst, der nicht umkehrbar ist", sagt der.

Arbeitssoziologe: Berufsfelder und Qualifikationen ändern sich 

Die Arbeitswelt werde sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern, das stelle Unternehmen und Beschäftigte vor große Herausforderungen, meint der Berliner Arbeitssoziologe. Er gehe zwar nicht davon aus, dass die Digitalisierung zwangsläufig zu massenhaftem Jobverlust führen werde – aber die Berufsfelder und Qualifikationen würden sich dramatisch verändern. 

Es komme nun darauf an, die Beschäftigten auf diese Veränderungen vorzubereiten, betont Gewerkschafter Robert Fuß, und zwar durch frühzeitige und umfassende Qualifizierung. Da seien alle gefordert: die Unternehmen, die Gewerkschaften, die Politik. Sonst drohe ein großer Teil der Beschäftigten abgehängt zu werden, die Spaltung der Gesellschaft könne sich vertiefen.

Prekäre Beschäftigung auch im digitalen Zeitalter

Formen prekärer Beschäftigung im digitalen Zeitalter seien schon längst zu beobachten, zum Beispiel auf digitalen Plattformen, auf denen sogenannte Crowdworker als Solo-Selbständige ihre Arbeit anböten. Hier entstehe eine globale Lohnkonkurrenz zwischen Beschäftigten mit der Tendenz, Bezahlung und Arbeitsbedingungen zu drücken, warnt Fuß. Für Crowdworker gebe es weder Mindestlöhne noch Tarifverträge.

Das Problem für die  Gewerkschaften sei, dass diese Beschäftigten schwierig zu organisieren seien. Schätzungen gingen davon aus, dass in Deutschland fünf Prozent der Erwerbstätigen als Crowdworker arbeiteten. Auch die deutsche Automobilindustrie vergibt Aufträge an Crowdworker, zum Beispiel bei der Umstellung auf autonomes Fahren. Millionen Bilder von Verkehrssituationen müssten dafür eingescannt werden. Erledigt werde das zum Beispiel von Beschäftigten aus dem Krisenland Venezuela.

Es diskutierten:
- Prof. Sabine Pfeiffer, Institut für Soziologie, Universität Nürnberg-Erlangen
- Prof. Martin Krzywdzinski, Wissenschaftszentrum Berlin
- Robert Fuß, Crowdworking-Experte, IG Metall

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