Holzdesigner und Spielplatzbauer Hans-Georg Kellner

"Das Abenteuer ist das Kind selbst"

30:55 Minuten
Spielplatzbauer Hans Georg Kellner.
Am Herzen liegen Hans Georg Kellner vor allem die Spielplätze, die Steckfiguren sieht er eher als „Pflicht“. © privat
Moderation: Katrin Heise · 23.11.2021
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Die „Kellner Steckfiguren“ gelten als Designklassiker. Hans-Georg Kellner stellt das Spielzeug in Thüringen her, vor allem für den japanischen Markt. Seine große Liebe aber gilt dem Bau von Spielplätzen, die machmal ebenfalls an Kunstwerke erinnern.
Japan – für Hans-Georg Kellner ist das eine „ganz große Hausnummer“. Die Japaner lieben seine Steckfiguren, seit sie sie vor über 20 Jahren auf der Nürnberger Spielzeugmesse entdeckt haben. Als er dann auch noch in Japan einen Spielplatz entwickeln konnte, war sein Glück vollkommen.
„Ich habe nie in meinem Leben gedacht, mal aus der DDR rauszukommen, geschweige denn in die weite Ferne“, erzählt er. „Das war wie ein Geschenk des Lebens. Ich habe dort viel zu tun mit Menschen, die mir nahestehen. Es ist eben nicht nur eine Geschäftsbeziehung.“

Quietsch, die Maus, und Quark, der Frosch

Angefangen hat alles mit den Steckfiguren des Großvaters. Er war ein risikofreudiger Unternehmer: erst Schornsteinfeger, dann Klavierbauer, schließlich erfolgreicher Modellbauer für Flugzeuge und Boote. Aber im Zuge der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren ging er Pleite. Aus der Not heraus entwickelte er im thüringischen Tabarz Spielzeugfiguren, die „Kellner Steckfiguren“ entstanden.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Fabrik zerbombt, dann wieder aufgebaut und schließlich 1972 in der DDR verstaatlicht. Der Großvater hatte im „VEB Biggi“, wie seine Spielzeugfabrik dann hieß, Hausverbot, und Hans-Georg Kellners Vater war als “sozialistischer Leiter“ dort nur noch geduldet.
Spielplatz aus Holzelementen am Ufer des Lago Maggiore.
Spielplatz in Locarno am Lago Maggiore: Einer von Hunderten, die Hans-Georg Kellner in den letzten 30 Jahren gebaut hat.© Hans Georg Kellner
„Ich war zu der Verstaatlichungszeit 13 Jahre und habe das nur am Rande mitbekommen“, erzählt Hans-Georg Kellner. „Aber familiär war das eine große Tragik. Ich hatte letztendlich Glück, dass ich die Wende erleben konnte und dann mit eigenen Dingen durchstarten konnte, unabhängig von diesen Steckfiguren. Ich wollte die eigentlich nie herstellen.“
Später, nach einem Studium der Holzgestaltung, findet er dann doch wieder zurück zu „Gärtner Tulpe“, „Quietsch, der Maus“ und „Quark, dem Frosch“, wie die Steckfiguren heißen. Mit einem Freund und Arbeitspartner entwickelt er nach der Wende in Berlin Objekte aus Holz für Kinderarztpraxen oder Kitas.

Spiel ist immer Risiko

Inzwischen wohnt Hans-Georg Kellner wieder in Tabarz und führt dort den Betrieb mit 90 Mitarbeitern. Am Herzen liegen ihm vor allem die Spielplätze. Die Steckfiguren bezeichnet er als „Pflicht“, die Spielplätze als „Kür“. 500 davon hat er in den letzten 30 Jahren gebaut: in Deutschland, in der Schweiz, in Griechenland und Japan. Manche wirken wie begehbare Kunstwerke. Sie sind aus Holz oder Metall, aus Gummi oder Plastik, bunt oder naturfarben. Auch einen Spielplatz mit einem Panzermodell könnte er sich vorstellen.
Die riskantesten Spielplätze seien die sichersten, so der 62-Jährige. „Die Abenteuer sind im Kopf, und ein Abenteuerspielplatz ist ein anderes Abenteuer als in der Natur oder in der Stadt. Ich glaube, dass ein Kind überall Abenteuer entwickeln kann, wenn es den Abenteuergeist in sich trägt. Meine Spielplätze sind auch Schaukeln und Klettergerüste in einer anderen Form und bieten Raum. Aber das Abenteuer ist das Kind selbst.“
(svs)

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