Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
Samstag, 16.01.2021
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Interview / Archiv | Beitrag vom 16.08.2016

Hohe Fleischproduktion "Es wird viel mehr produziert als wir eigentlich essen"

Katrin Wenz im Gespräch mit André Hatting

Podcast abonnieren
Schweine in der Schweinezucht und -mast (dpa/ picture-alliance/ Jens Büttner)
Vor allem in der Schweinezucht klaffen Produktionsmenge und Verbrauch immer mehr auseinander. (dpa/ picture-alliance/ Jens Büttner)

Deutschland produziert so viel Fleisch wie nie zuvor. Die Agrarexpertin der Umweltorganisation BUND, Katrin Wenz, kritisiert, dass die Landwirte immer mehr herstellen müssen, um zu überleben. Dabei wird eigentlich weniger Fleisch gegessen.

Von Januar bis Juni 2016 wurden knapp 4,1 Millionen Tonnen Fleisch produziert, gab das Statistische Bundesamt für das erste Halbjahr bekannt. Das ist so viel wie noch nie.

"Eigentlich ist das Problem, dass das Geschäft nicht lukrativ ist", sagte die Agrarexpertin der Umweltorganisation BUND, Katrin Wenz, im Deutschlandradio Kultur über den Fleischhandel in Deutschland. "Deshalb sind Landwirte und Landwirtinnen gezwungen, immer mehr zu produzieren, weil sie ihre Produktionskosten, insbesondere beim Schwein, kaum decken können." Landwirte müssten immer mehr Tiere halten, um dem Strukturwandel nicht zum Opfer zu fallen.  

Probleme vor allem beim Schweinefleisch

Schon jetzt liege die Überproduktion bei Schweinefleisch etwa bei 16 Prozent, sagte die Mitautorin des jährlichen Fleischatlas. "Hier wird viel, viel mehr produziert als wir eigentlich essen." Dabei gehe gerade der Konsum von Schweinefleisch zurück. Als weiteren Grund nannte die Agrarexpertin, dass immer mehr landwirtschaftliche Betriebe sich auf ein Feld spezialisieren müssten und nicht mehr als gemischte Unternehmen mit Ackerbau und Tieren existieren könnten.   

Keine Wahl an der Ladentheke  

Wenz kritisierte auch, dass die Käufer an der Ladentheke, keine Wahl hätten, weil die ausreichende Kennzeichnung des Fleisches fehle. "Da ist alles möglich", sagte Wenz. "Da ist Fleisch aus Intensivtierhaltung, aber abgebildet ist ein Bauernhof mit glücklichen Tieren drauf – so etwas ist erlaubt in Deutschland." Deshalb sei die Bundesregierung gefordert, zu kennzeichnen, aus welchem Haltungssystem die Tiere kommen.

Mehr zum Thema

Ernährung - Veganes Schnitzel aus dem Fleischwolf
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 04.08.2016)

Das Problem mit der Milch - Molkereien sind Konzerne und Bauernhöfe Fabriken geworden
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 09.06.2016)

Milch und Fleisch zum Dumpingpreis - Brauchen wir die Agrarwende jetzt?
(Deutschlandradio Kultur, Wortwechsel, 03.06.2016)

Han Kang: "Die Vegetarierin" - Wenn Fleischverzicht das Leben zerstört
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 15.08.2016)

Interview

Homeschooling im Corona-JahrKein Sitzenbleiben
Ein Mädchen sitzt zu Hause an ihrem Schreibtisch und macht Aufgaben für die Schule. (picture alliance / dpa / Kira Hofmann)

Im Corona-Jahr müssen alle Schülerinnen und Schüler versetzt werden: Das fordert Marlis Tepe, die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, und sorgt damit für Diskussionen. Landesschülersprecher Lennart Seimetz beurteilt Tepes Vorschlag positiv.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur