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Echtzeit | Beitrag vom 23.08.2014

Hobby12.000 Kontakte für "Zulu Delta Sieben Juliet"

Wie Amateurfunker Jürgen Radtke seine Antennen auf St. Helena aufbaute

Von Gerhard Richter

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Amateur-Funkgerät (picture alliance / dpa)
Um die ganze Welt: Amateurfunker Radtke ist bis nach St. Helena zum Funken gefahren. (picture alliance / dpa)

Amateurfunker reisen mit schwerem Gepäck, sie funken nämlich auch im Urlaub. So wie Jürgen Radtke, der 1600 Kilometer weit nach St. Helena dafür reiste. Und nach dem Funkkontakt ist für die Funker noch lange nicht Schluss, für Radtke begann die eigentliche Arbeit danach.

Flug nach Windhoek in Namibia, dann nach Walvis Bay an die afrikanische Küste und von dort mit dem Postschiff auf hohe See - nach St. Helena. 

"Der Kapitän richtete noch ein paar Worte an die Leute und dann begann schon die lange Dünung. Das sind so recht große auf und ab kommende Wellen, so dass man doch gern schon sehr lange hatte und bekam mir nicht so gut. Bin in relativ kurzer Zeit auch auf der Kajüte verschwunden, so wie einige andere auch."

Nach 1600 Kilometern, also nach drei Tagen und zwei Nächten langer südatlantischer Dünung die Landung in Jamestown, der Hauptstadt von St. Helena. Knapp 900 Einwohner, liegt in einer schmalen Bucht, umrahmt von Steilküste.

Gartenlaube mit fließend Wasser und Spülklosett

"Wir haben also dort dann noch am gleichen Tag unsere Funklizenzen erhalten und konnten dann ein Privatquartier dort besuchen. Das kann man sich so vorstellen, als wenn hier jemand eine Gartenlaube vermietet, so sah das dort aus. Allerdings mit fließend Wasser und Spülklosett."

St. Helena gehört politisch zu England, funktechnisch ist es ein eigenes Land und heißt Zulu Delta sieben. Ein absoluter Exot auf der Landkarte der Amateurfunker.

"Da haben wir dann unsere Antennen aufgebaut und hatten da sehr gute Abstrahlung Richtung Europa. Und dann haben wir da losgelegt, eine Woche lang."

Statt langer Dünung jetzt Kurzwelle. Herr Radtke, der funktechnisch DL7UVO heisst, hat am Funkgerät auf St. Helena eine andere Kennung: Er heisst jetzt Zulu Delta Sieben Juliet. Im Meer der Funkwellen suchen hunderte Funkamateure den Kontakt mit Zulu Delta sieben Juliet auf der abgelegenen Insel.

"Weltweit das ging also ringsherum. Sehr sehr viele Amerikaner, Japaner, Südamerikaner. Weil man ja so mittendrin liegt im Atlantik und alle Richtungen gleich gut gehen."

Abgelegen im Meer, mit starker Strömung

12.000 Kontakte hat Zulu Delta sieben Juliet in einer Woche. Zur Betätigung schickt der Funkamateur allen eine sogenannte QSL-Karte, selbst gestaltet.

"Man hat den speziell für diese Aktivitäten ein besonderes Motiv sich ausgedacht oder Fotos dort gemacht und dann was zusammengeschnitten und dann auf der Rückseite der Karte stehen ja die Daten der Funkverbindung: an diesem Tag, um welche Uhrzeit, auf welcher Frequenz, wie gehört und natürlich nochmal die besten Grüße."

So verschickt Herr Radtke also 12.000 solcher Gruß-Karten aus St. Helena - der abgelegenen Insel im Meer, auf der die Einwohner kurioserweise auch noch abgelegen vom Meer leben.

"Diese Insel ist vulkanischen Ursprung, ragt steil aus dem Wasser empor, relativ spitz nach oben. Und man kann dort also nicht irgendwo ans Wasser gehen, sondern es geht gleich steil mehrere 100 Meter oder fast 1000 Meter hinab ins Wasser. Es gibt eine sehr starke Strömung und Brandung. Also die einheimischen, die Saints, die haben also eine Badeanstalt auf der Insel gebaut, damit sie auch selber mal ins Wasser können."

 

Mehr zum Thema:

Gegen Störerhaftung - Der Kampf für freies WLAN (Deutschlandfunk, Computer und Kommunikation, 09.08.2014)

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