„Hive“ neu im Kino

Die Bienen der Freiheit

06:28 Minuten
Szene aus "Hive": Eine Frau am Lenkrad ihres Wagens schaut sehr ernst nach vorne. Auf der Rückbank schläft ein Kind.
Szene aus "Hive": Fahrije kämpft um ihre Unabhängigkeit. © Frenetic Films / Alexander Bloom
Von Jörg Taszman · 07.09.2022
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Fahrije Hoti hat im Kosovo-Krieg ihren Mann verloren. Auf sich allein gestellt, beschließt sie, sich als Imkerin selbstständig zu machen. Dabei stößt sie auf viele Widerstände im Dorf. Ein Film über den Kampf gegen patriarchale Traditionen.

Um was geht es?

Im März 1999 verübten serbische Soldaten im kosovarischen Dorf Krusha e Madhe ein Massaker. 240 Einwohner wurden verschleppt, fast alle umgebracht, noch heute gelten 64 als vermisst.
Fahrije Hoti gehört zu den Frauen und Witwen, die ihre Männer verloren oder noch auf sie warten. Sieben Jahre nach Ende des Kosovokriegs versucht sie, mit ihren beiden Kindern und dem Schwiegervater als Imkerin finanziell zu überleben, aber das Geld reicht nicht.
Die patriarchalen Strukturen in diesem Dorf in der Nähe von Pristina sind allgegenwärtig. Die überlebenden alten Männer erlauben den Frauen nicht, zu arbeiten, sogar Autofahren gilt als anrüchig. Fahjire wehrt sich gegen diese männliche Bevormundung und fängt an, mit Frauen aus dem Ort Aijvar ein traditionelles Gericht zu kochen, das von einem benachbarten Supermarkt verkauft wird.

Was ist das Besondere?

Der Filmemacherin Blerta Basholli gelingt ein in jeder Filmminute stimmungsvolles Werk über Frauen, die durch den Verlust ihrer Männer doppelt bestraft und in überholten Traditionen gefangen sind.
Dabei erzählt sie konsequent aus der Sicht der Dorfbewohnerinnen, zeigt männliche Gewalt in wenigen Schlüsselszenen und schafft eine permanente Spannung, die an Filme der Brüder Dardennes oder von Ken Loach erinnert.

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Man fiebert mit Fahrije und den Frauen mit, weil immer offen bleibt, ob die Männer dieser Emanzipation nicht doch mit Gewalt ein Ende setzen werden.

Fazit

Der Film lebt von der authentischen Darstellung seiner Protagonistinnen, basiert auf einer wahren Geschichte und ist auch filmisch immer überzeugend. Es ist weder ein pessimistisches Sozialdrama noch ein politisch korrekter „Frauenfilm“ mit Happyend.
Gerade weil Blerta Basholli zeigt, wie sehr auch Frauen die männlichen Moralvorstellungen übernommen haben, wie schnell eine Frau als „Kurva“, als Nutte, beschimpft und verfolgt wird, wird "Hive" zu einem starken Drama, das durchaus auch Hoffnung macht.

HIVE
Kosovo/Schweiz/Mazedonien/Albanien 2020
Regie: Blerta Basholli
mit Yllka Gashi (Fahrije), Çun Lajçi (Haxhi) u.a.
Länge: 84 Minuten

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