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Studio 9 | Beitrag vom 21.10.2015

HIV-Studie in SüdafrikaAuf der Suche nach einem Aids-Impfstoff

Von Leonie March

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In Südafrika wird derzeit ein Impfstoff gegen Aids getestet. (picture-alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
In Südafrika wird derzeit ein Impfstoff gegen Aids getestet. (picture-alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Noch immer sterben jeden Tag fast 450 Südafrikaner an Aids und seinen Begleiterkrankungen. Deshalb richten sich viele Hoffnungen auf die Entwicklung eines HIV-Impfstoffes. Ein solcher wird gerade in einer Studie am Kap getestet.

Geduldig sitzt die 19-jährige Ayanda im Wartezimmer neben anderen Patienten.

"Ursprünglich war ich auf der Suche nach einer Klinik, in der ich Blut spenden könnte. Doch dann haben mir die Krankenschwestern hier von der HIV-Impfstudie erzählt. Ich war sofort davon überzeugt. Denn ich habe mehrere Verwandte an Aids verloren. Einige meiner Freunde sind HIV-positiv. Ich weiß also, wie furchtbar diese Krankheit ist."

Ayanda ist eine von rund 250 Testpersonen, die an der Impfstudie HVTN100 teilnehmen. Momentan wird sie an einem halben Dutzend Kliniken in ganz Südafrika durchgeführt, unter anderem hier in der Hafenmetropole Durban, am Forschungsinstitut CAPRISA. Die Hoffnung ist groß, erzählt der Mediziner und Leiter der Studie Nigel Garrett.

"Auf Konferenzen hieß es immer: In zehn Jahren wird es eine Impfung gegen HIV geben. Und das jedes Jahr von neuem. Aber jetzt könnten wir wirklich vor einem Durchbruch stehen. Bei einer Vorläuferstudie in Thailand wurde die Zahl der Infektionen im ersten Jahr um 60 Prozent verringert und im zweiten immerhin noch um fast ein Drittel. Darauf bauen wir jetzt auf. Das Interesse ist riesig. Die südafrikanische Regierung unterstützt die Studie ebenso wie die Gates-Stiftung, die US-Gesundheitsforschungsinstitute und mehrere Pharmakonzerne. Diese Zusammenarbeit ist ziemlich einzigartig. Alle ziehen an einem Strang, um eine wirksame Impfung zu entwickeln."

In der Klinik wird getestet, wie das Immunsystem von gesunden Testpersonen auf den Impfstoff reagiert, ob er gut vertragen wird oder ob Nebenwirkungen auftreten. Bei der ersten Injektion sei sie extrem nervös gewesen, gibt Ayanda zu.

"Ich wusste ja nicht, ob ich meinem Körper dadurch schaden würde. Ich hatte Angst, dass sie mich vielleicht mit HIV infizieren. Aber dann haben sie mir nochmal alles genau erklärt und bislang hatte ich auch keine Nebenwirkungen. Es ist also alles gut."

Synthetisch hergestellter Impfstoff

Drei Injektionen hat die Studentin bereits hinter sich. Fünf sind es insgesamt, über einen Zeitraum von rund anderthalb Jahren. Vor einer Ansteckung mit HIV müsse sie dabei wirklich keine Angst haben, beruhigt Klinikleiterin Kathy Mngadi.

"Der Impfstoff gleicht einer Fotokopie. Er erhält weder lebendige noch abgestorbene Teile des HI-Virus, sondern wurde im Labor synthetisch hergestellt. Eine Infektion ist also vollkommen ausgeschlossen. Wir haben den Wirkstoff an den Subtyp des Virus angepasst, der hier in Südafrika besonders verbreitet ist, und einen Hilfsstoff hinzugefügt, der die Reaktion des Immunsystems verstärkt. Es ist das erste Mal, dass wir diese Kombination testen, aber die einzelnen Komponenten haben sich bei früheren Studien bereits als wirksam und sicher erwiesen. Wir hoffen also, dass dies der erste Schritt zu einem effektiven Impfstoff ist."

Jeder Zehnte ist HIV-positiv

Südafrika könnte diese lebensrettenden Impfungen gut gebrauchen. Das Land hat noch immer eine der höchsten Infektionsraten der Welt. Offiziellen Statistiken zufolge ist jeder Zehnte HIV-positiv.

Zwar hat die Lebenserwartung durch einen besseren Zugang zu Medikamenten deutlich zugenommen. Doch noch immer sterben jeden Tag fast 450 Südafrikaner an Aids und seinen Begleiterkrankungen.

Kathy Mngadi: "Wir wollen die Fortschritte bei der Behandlung und Prävention von HIV nicht kleinreden. Aber in der Vergangenheit sind auf diese Weise nur wenige Infektionskrankheiten auch wirklich besiegt worden. Deshalb liegt die größte Hoffnung in einer Impfung."

Davon ist auch Ayanda überzeugt. Die 19-Jährige hofft, dass sie spätestens ihre Kinder einmal gegen diese Krankheit impfen kann, so wie gegen Masern oder Polio. 

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