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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 15.01.2015

HIV in AfrikaWenn der Sugar-Daddy den Tod bringt

Von Jan-Philippe Schlüter

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Eine mit dem HIV-Virus infizierte Frau nimmt am Freitag (11.05.2007) in einem Flüchtlingslager in der Nähe von Gulu in Uganda ihre Medizin ein. (picture-alliance/ dpa - Frank May)
Lolo muss bis an ihr Lebensende antiretrovirale Medikamente nehmen. (picture-alliance/ dpa - Frank May)

Lolo hatte lange Zeit einen "Sugar-Daddy": einen Freund, der altersmäßig ihr Vater hätte sein können. Er machte ihr Geschenke, sie schlief als Gegenleistung ohne Kondom mit ihm. Die Affäre nahm ein jähes Ende, als sie erfuhr, dass sie HIV-positiv ist.

Wenn Lolo ihren Freundinnen von ihrem Glück erzählt hat, waren die ganz bezaubert: Wow! Dein Leben ist perfekt!

Der Grund für die Begeisterung: Lolos damaliger Freund. Ein Mann, der locker ihr Vater hätte sein können. Und ihr Dinge geboten hat, die sie von zu Hause nicht kannte.

"Er hatte alles, fuhr schöne Autos, sah gut aus! Er hat mir Geschenke gekauft und Geld gegeben. Und er hat mich an Orte mitgenommen, an denen ich noch nie war. Einmal waren wir im Casino, was für ein Luxus. Ein ganzes Wochenende lang! Montags in der Schule habe ich meinen Freundinnen erzählt: Ich war im Emerald-Casino!"

Das war das Leben, das die fröhliche Lolo leben wollte. Aber den Luxus gab es für die damals 22-Jährige nicht umsonst. Die Gegenleistung war Sex – ohne Kondom.

"Er hat mich nicht gezwungen. Aber ich dachte: Dieser Mann liebt mich, denn er schenkt mir so viel. Also kann ich ihn auch glücklich machen."

Junge Frauen in Südafrika sind besonders gefährdet

Mit dem Glück war es vorbei, als Lolo herausfand, dass sie HIV-positiv ist. Prompt hat ihr Sugar-Daddy sie sitzen lassen.

"Er hat behauptet, nicht HIV-positiv zu sein. Aber ich wusste, dass er der einzige Typ war, mit dem ich ohne Kondom geschlafen habe. Als ich versucht habe, ihn anzurufen, ist er einfach nicht rangegangen."

Lange hat sie nicht wahrhaben wollen, HIV-positiv zu sein. Sie wurde sogar zweimal schwanger – ihre beiden Söhne sind zum Glück nicht infiziert. Ein Wunder, wie sie sagt.

Südafrika hat das größte Behandlungsprogramm der Welt

Lolo ist mittlerweile 30 und hat ihr Schicksal angenommen. Die kleine, energiegeladene Frau arbeitet bei einer Hilfsorganisation. Dort trifft sie immer wieder auf Mädchen, die das gleiche Schicksal haben wie sie. Junge Frauen zwischen 15 und 24 Jahren sind in Südafrika besonders gefährdet. Jedes Jahr werden fast 100.000 infiziert.

"Die Mädchen machen das, weil ihre Eltern zu wenig Geld haben. So können sie sich schöne Dinge leisten. Viele werden auch schwanger. Ich habe schon Mädchen getroffen, die innerhalb eines Jahres zweimal abgetrieben haben. Alles wegen eines alten Mannes!"

Die gute Nachricht ist: Südafrika hat das größte Behandlungsprogramm der Welt. Mehr als zweieinhalb Millionen Menschen bekommen kostenlos lebensverlängernde antiretrovirale Medikamente vom Staat. Lolo wird seit drei Jahren damit behandelt. Jeden Abend um Punkt acht Uhr nimmt sie eine Tablette. Die Medizin schlägt an.

"Ich lebe ein ganz normales Leben. Ich bin noch jung, gehe in die Kirche, gehe aus, trinke ab und zu einen und flirte gerne, ich habe immer noch Sex. Das einzige was sich geändert hat ist: Immer wenn ich Sex habe, nutze ich jetzt ein Kondom."

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