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Interview | Beitrag vom 17.01.2020

Historisches Alkohol-Verbot in den USA In einigen Bundesstaaten gilt die Prohibition bis heute

Thomas Welskopp im Gespräch mit Ute Welty

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Szene aus dem Film "Es war einmal in Amerika" von 1984 mit den SchauspielernTreat Williams (liegend ), James Woods, Robert De Niro in der Regie von  Sergio Leone. Am Krankenbett wird mit Alkohol angestoßen.   (United Archives/IFTN)
"Es war einmal in Amerika" kommt der historischen Wirklichkeit der Zeit der Prohibition am nächsten, sagt der Historiker Thomas Welskopp (United Archives/IFTN)

In US-Filmen trägt die Erzählung von der Prohibition eher märchenhafte Züge, sagt der Historiker Thomas Welskopp. Allein "Es war einmal in Amerika" gebe ein realistisches Bild der 1920er-Jahre wieder, als Alkohol in den USA verboten war.

Vor 100 Jahren trat in den USA ein Gesetz in Kraft, das verbot, Alkohol herzustellen, zu verkaufen und zu transportieren. Die Prohibition hat bis heute ihre Spuren hinterlassen, sagt der Bielefelder Historiker Thomas Welskopp, der eine Kulturgeschichte der Prohibition mit dem Titel "Amerikas große Ernüchterung" verfasst hat.

Viele Filme sind weit weg von der Realität

Das popkulturelle Bild jener Zeit sei in vielen Kinofilmen sehr weit von der Realität entfernt, sagt Welskopp. Da würden Glamour und eine schwüle Feier-Atmosphäre in den Jazz-Clubs gezeigt, die eher eine Randerscheinung gewesen seien. Filme wie "The Untouchables" (Die Unbestechlichen) mit dem US-Schauspieler Kevin Costner seien eher im Bereich des Märchens anzusiedeln. Der einzige Spielfilm, der einen guten Eindruck der Zeit vermittele, sei der Film "Once Upon a Time in America" (Es war einmal in Amerika) von 1984. "Obwohl der auch märchenhafte Züge hat, ist das ein Film, den ich empfehlen würde, wenn man sich einen realistischeren Eindruck über die Atmosphäre, die damals herrschte, verschaffen will."

Vorsicht bei Alkohol bis heute

Bei der Prohibition habe es sich um das größte innenpolitische Problem der 1920er-Jahre in den USA gehandelt, so Welskopp. Bis heute sei das Verhältnis der US-Bürger zum Alkohol sehr verkrampft. 1933 sei zwar national die Prohibition aufgehoben worden, das sei aber nicht in allen Bundesstaaten und Kommunen der Fall. "In Baltimore an der Ostküste würde ich niemandem raten, aus einer braunen Papiertüte in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken."

Denn dann finde man sich sofort im örtlichen Gefängnis wieder.

Thomas Welskopp, Amerikas große Ernüchterung. Eine Kulturgeschichte der Prohibition
Ferdinand Schöningh Verlag 2010
660 Seiten, 49,90 Euro.

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