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Konzert / Archiv | Beitrag vom 26.09.2020

Historischer OpernmitschnittNicolai Gedda in Verdis "Rigoletto"

Moderation: Elisabeth Hahn

Ein Mann steht in einer Parklandschaft und wendet sich unbeschwert der Kamera zu. (imago images / Michel Neumeister)
Stilsicherheit, makelloses Legato und wundervolle Textverständlichkeit waren die Markenzeichen von Nicolai Gedda. (imago images / Michel Neumeister)

Nicolai Gedda - der schwedische Tenor wurde für sein unverwechselbares Timbre, seine Stilsicherheit und enorme Textverständlichkeit gefeiert. An diesem Abend ist der Sänger, der ein Dutzend Sprachen beherrschte, in der bekannten italienischen Oper zu erleben.

Nikolai Gedda war ein Star, der aber niemals über die Stränge schlug. Er schonte seine Stimme, entwickelte sein Repertoire bewusst und behutsam. So verweigerte er sich zum Beispiel den großen Wagner-Rollen:"Eine lyrische Stimme soll nicht Wagner singen."

Frühe musikalische Prägung

Als Kind verbrachte er eine Zeit lang in Leipzig, sein Stiefvater war dort Kantor der russisch-orthodoxen Gemeinde. Und Nicolai Gedda immer mittendrin: "Ich habe als Kind Noten gelesen wie ein Buch. Das ist sehr wichtig, weil in der russischen Kirche a cappella gesungen wird, also ohne Instrument. Das hat auch mein Gehör entwickelt."

Als er mit der Familie zurück nach Schweden ging, studierte er Gesang und debütierte mit 25 Jahren an der Stockholmer Oper. Er wurde von einem Label-Guru entdeckt, der ihm mit Aufnahmen zu einer steilen Karriere verhelfen konnte. Ob in Mailand, Paris, London oder in Salzburg, Wien und New York - überall bestaunte man die Feinheit seines silbrig hellen Timbres, gepaart mit spielerischer Eleganz seiner Stimmführung. 

Sprachgenie

Vielseitig war Nicolai Gedda auch, wenn es um Fremdsprachen ging. Mit seinen Muttersprachen Schwedisch und Russisch beherrschte er ein halbes Dutzend. Das Italienische kam durch die Musik wie selbstverständlich hinzu. Er wollte immer verstehen, was er sang.

Schwedischer Kollege

Auch der Dirigent ist Schwede: Sixten Ehrling. Er war zu dieser Zeit Operndirektor in Stockholm. Als Student war er Assistent von Karl Böhm an der Semperoper in Dresden gewesen. Später war vor allem in den USA tätig. Hier hatte er den Ruf des "mürrischen Schweden" - er war wohl nicht ganz unkompliziert und durchaus autoritär während der Proben. Doch die musikalischen Ergebnisse überzeugten, wie man auch bei dieser historischen Aufnahme hören kann. 

Aufzeichnung der Oper vom 18. Januar 1959 in der Königlichen Oper Stockholm

Giuseppe Verdi
"Rigoletto", Oper in vier Akten
Libretto: Francesco Maria Piave

Herzog von Mantua – Nicolai Gedda, Tenor
Rigoletto, sein Hofnarr – Hogo Hasslo, Bariton
Gilda, dessen Tochter – Margareta Hallin, Sopran
Sparafucile, ein Bandit – Arne Tyrén, Bass
Maddalena, seine Schwester – Kerstin Meyer, Mezzosopran
Graf von Monterone – Georg Svedenbrant, Bariton

Chor und Orchester der Königlichen Oper Stockholm
Leitung: Sixten Ehrling

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