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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 03.02.2020

Historikerin und Aktivistin Katharina OguntoyeInterkulturelle Verständigung als Lebensthema

Moderation: Ulrike Timm

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Porträt von Katharina Oguntoye in einem Garten (Carolyn Gammon)
"Superpolitisches" Leben: Die Historikerin und Aktivistin Katharina Oguntoye, setzte mit dem Buch "Farbe bekennen" eine Bewegung in Gang. (Carolyn Gammon)

Katharina Oguntoye stammt aus Zwickau, der Vater Nigerianer, die Mutter Deutsche. Vor 30 Jahren thematisierte sie als eine der ersten hierzulande rassistische Alltagserfahrungen. Das habe bis heute nicht an Aktualität verloren, sagt sie.

"Farbe bekennen", so heißt das viel beachtete Buch der Historikerin Katharina Oguntoye aus dem Jahr 1989. Erstmals beschreiben sie und ihre Kolleginnen darin die rassistischen Alltagserfahrungen Afrodeutscher in Deutschland. Es setzt eine Bewegung in Gang: "Ich denke, dass über das Buch `Farbe bekennen´ die Möglichkeit entstanden ist, eine Community  zu gründen. Und diese Community bestand aus jungen Menschen, die sich auf die Suche nach ihrer Identität, ihrer Verortung in der Gesellschaft gemacht haben. Und in diesem Zusammenhang haben wir auch die Begriffe schwarze Deutsche und Afrodeutsche geprägt." Auch nach mehr als 30 Jahren habe diese Analyse nicht an Aktualität verloren, so die Aktivistin. "Diese Fragen: Warum sprichst du so gut Deutsch? Oder: Möchtest du nicht mal in die Heimat deines Vaters? Das ist immer eine Markierung: Du bist nicht so wie ich."

Katharina Oguntoye schreibt aus eigener Erfahrung: Sie ist 1959 in Zwickau geboren, der Vater ist Nigerianer, die Mutter Deutsche. Die ersten Jahre verbringt sie in Leipzig. Als sie sieben Jahre alt ist, ziehen die Eltern nach Nigeria, leben auf dem Uni-Campus. Sie lernt die Familie des Vaters kennen, die Großmutter, nach der sie benannt ist; die positive Haltung, sie als Kind so zu nehmen, wie sie ist. Als der Biafra-Krieg beginnt, beschließt die Mutter, zurück nach Deutschland zu gehen; der Vater bleibt mit ihrem jüngeren Bruder in Nigeria - ein großer Einschnitt.

Rassistische Erfahrungen "in allen Formen"

Der Einsatz für interkulturelle Verständigung zieht sich durch das Leben von Katharina Oguntoye. Seit mehr als 20 Jahren leitet sie den Verein "Joliba", benannt nach einem der Namen des Flusses Niger. "Zu dem soll man kommen, und er trägt die Sorgen weg. Und das war auch ein ganz wichtiges Ziel für uns, dass dort die Menschen zusammenkommen: Ein offener Raum, in dem viele Energien zusammenfließen."  

Ihr Leben, so die Aktivistin, sei immer "superpolitisch" gewesen: ob im Studium in Heidelberg oder in ihrer frauenpolitischen Arbeit, in ihrem langjährigen Engagement für "Joliba" und ihrem Einsatz gegen Alltagrassismus.

Wie geht sie selbst mit rassistischen Erfahrungen um? "Ich kenne das in allen Formen, dass man auf der Straße angepöbelt wird. Und am Anfang weiß man nicht, wie man das einordnen soll; und dann muss man eine Möglichkeit finden, zu reagieren, ohne sich selbst zu schaden. Einmal waren wir mit dem Auto unterwegs, nachts, und da waren zwei Betrunkene. Und dann fing einer an mich, als Neger und was weiß ich noch, zu beschimpfen. Und dann bin ich ausgestiegen und auf ihn zugegangen und habe gesagt: ´Du, das hilft dir jetzt aber auch mit deinem Problem weiter.` Dann war er erst mal perplex. Und dann bin ich aber schnell wieder in meiner `Ente´ verschwunden und weggefahren."

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