Historiker Spohr warnt vor Verharmlosung von NS-Familiengeschichten

Das US-Nationalarchiv und mehrere deutsche Medien haben die Mitgliederkartei der NSDAP online aufbereitet. Viele Deutsche nutzen das, um zu ihrer eigenen Familiengeschichte zu recherchieren. Der Historiker Johannes Spohr sieht dabei auch die Gefahr von Verharmlosung. Er hat mit dem Evangelischen Pressedienst über seine Beobachtungen gesprochen. Der Historiker hilft Menschen schon länger bei der Archivrecherche und sagt, die meisten Leute seien aufgeschlossen und reflektiert. Früher hätten es Angehörige oft geleugnet oder relativiert, dass ihre Vorfahren bei der NSDAP waren. Doch jetzt wachse der Anteil der Menschen, die das nicht schlimm finden - oder sogar gut. Spohr rät Institutionen dazu, sich auf eine neue Welle rechter Ahnenforschung vorzubereiten - die immer mehr eine "Stolz-Geschichte" werde.