Hinkelstein am Niederrhein
Ein an einen Hinkelstein erinnerndes Denkmal spaltet die Düsseldorfer Kunstwelt: das klobige, zwölf Tonnen schwere Werk von Beuys-Schüler Anatol Herzfeld, das an den Aktionskünstler vom Niederrhein erinnern soll, werde weder Beuys noch dem Ruf der Kunststadt gerecht, findet der Düsseldorfer Beirat für Kunst. Die künstlerische Qualität sei "nicht ausreichend".
Dass man aus Steinen Wasser schlagen kann, weiß man seit Moses Tagen. Wie man aus städtischem Basalt Grün sprießen lässt, ist seit fast 30 Jahren bereits in Nordhessen zu sehen, wo 7000 Eichen stehen, die 1982 auf der documenta 7 mit 7000 mineralen Brocken von Joseph Beuys vergnügt zur Kasseler Stadtverwaldung verstreut worden sind. Dies mag der ökologisch nachhaltige und künstlerisch wertvolle Sprengstoff seines Kunstwerks gewesen sein, der den Schnauzbart bewehrten Asterix-Fan und Beuys-Schüler Anatol Herzfeld bewogen haben mag, der Ruhrkapitale Düsseldorf - nach dem Song von Leonard Cohen im Sinne Beuys: Erst nehmen wir Kassel, dann die ganze Welt - Düsseldorf einen Hinkelstein anzudienen.
Anders jedoch als sein Kollege aus dem kleinen renitenten Dorf in Gallien - Ganz Gallien ist besetzt... Ganz Gallien? Nein! - mag der Ex-Polizist und Obelix-Bewunderer nicht das Werk seines birnenförmigen bretonischen Kollegen kopieren. Der Widerstand von heute muss bildorientiert und zielgerichtet sein. Und in der Landeshauptstadt von NRW weiß man seit Clements Zeiten, wie wenig bindend eingekeilte Botschaften sein können. Hatte sich Ex-Landesvater Clement nicht jüngst über den Wankelmut seiner hessischen Genossen beschwert.
So wollte der Beuys Schüler sich logischerweise keinen wortlosen Hinkelstein zu Ehren seines Mentors leisten oder zumindest eine rudimentäre Piktogramm-Anweisung mit seinem Meißel ziselieren. Also einen Hinkelstein, mit primitiver Inschrift. Ein Klos mit von der Höhle von Lascaux inspirierter Steinzeitmeißelei zu Ehren Joseph Beuys. Ein Klos, der gut zwölf Tonnen wiegt.
Ein schweres Argument des Fluxus-Künstlers, der 1973 seinen Hochschulprofessor im Einbaum nein, über die Wupper nicht, sondern über den Rhein gerudert hat, als ein kleinmütiger Johannes, damals hieß der Wissenschaftsminister Nordrhein-Westfalens Rau, sich gegen die permanenten Provokationen des Filz-Künstlers mit dessen Rausschmiss wehrte.
Gott hab ihn selig - Joseph Beuys ist leider tot, an seiner statt steht nun der Herzfeld'sche Hinkelstein mit steinzeitlicher Anmut vor den Toren der Stadt. Wer will, mag Beuys' Gesicht in dem Stein sehen. Und da es Kunst ist und der Klüngel von NRW davon alles und nichts versteht, nennt keiner diese Unverschämtheit Mist oder Werk eines Dilettanten. Schließlich könnte das Primitive Oeuvre auch Absicht sein. Also mäkelt man rum. Der Chef des Malkastens - so nennen sich mit dem stolzen Selbstverständnis der Siebziger die Pinselschwinger der Stadt, pardon der angesehene Künstlerverband - Hartmann, gibt zu bedenken; "ob es überhaupt so geschickt sein, dem Beuys ein Denkmal zu setzen?" Wenn einem Kunst-Provokateur 23 Jahre nach seinem Begräbnis ein derartiges Urteil widerfährt, dann kann man mehr als einen Asbach heben.
Ein anderer will rheinisch geschmeidig den Beuys wacker da entsorgen, wo schon seit alters her die Reste der gestrandeten Rheinfahrer landeten, auf der Rheinpromenade. "Da würde der Kopf auch nicht stören", Friedrich G. Conzen heißt der Urheber dieser diplomatischen Replik. Kunst als Strandgut aus den Augen eines Herrn über Kunst am Bau in der Rheinmetropole. Wohin also damit?
Den Auftrag hatte Anatol Herzfeld wohl gekriegt, doch anders als der Sänger, den man einst Prince hatte nennen dürfen, hatte der mehrfache Documenta-Teilnehmer nicht lauthals angekündigt, dass er sein Preisgeld wohl einstreichen werde, den Auftrag aber nicht in der gewohnten Genialität ausführen wolle. Und da Kunst nicht in Raster passt, ist die Ratlosigkeit nun groß an Rhein und Ruhr.
Wie wird man diesen Hinkelstein bloß wieder los. Am Ende werden die im künstlerischen Umgang mit Kommunalgeldern versierten Unionspolitiker das herbe Werk verschmerzen und verstecken. Entweder abseits oder hinter dichtem Grün im Sinne Beuys. Stellte man es auf einen Deich am Rhein, so könnte eine Pflanzaktion wie weiland auch in Kassel zur Befestigung der Deicharchitektur durch Baumwurzeln langfristig nur förderlich sein.
Das hässliche Gekrakel des Herrn Herzfeld, dessen Begabung in diesem Fall an einen anderen Künstler erinnert, der in dem kleinen gallischen Dorf versucht, sein Auskommen durch das Besingen mancher Heldentat zu erringen, die primitive Meißelei könnte so manchen jungen Anatol zum eigenen kleinen Hammer greifen lassen und anders als der vor der Deutschen Bank zu Frankfurt erigierte marmorne Knoten von Max Bill könnte hier Volkes Kunst am Hinkelstein höchst willkommen und ganz im Sinne des Kasseler Anthroposophen Erkenntnis steigernd sein.
Wie sagt Joseph Beuys: das Merkmal großer Kunst sei es, dass sie sich überhaupt nicht aufdränge, sondern vollkommen eingehe, fast verschwinde in der Natur. Hinkelstein-Gemeißel hinter dichtem Grün, eine schöne Erinnerung an Joseph Beuys.
Anders jedoch als sein Kollege aus dem kleinen renitenten Dorf in Gallien - Ganz Gallien ist besetzt... Ganz Gallien? Nein! - mag der Ex-Polizist und Obelix-Bewunderer nicht das Werk seines birnenförmigen bretonischen Kollegen kopieren. Der Widerstand von heute muss bildorientiert und zielgerichtet sein. Und in der Landeshauptstadt von NRW weiß man seit Clements Zeiten, wie wenig bindend eingekeilte Botschaften sein können. Hatte sich Ex-Landesvater Clement nicht jüngst über den Wankelmut seiner hessischen Genossen beschwert.
So wollte der Beuys Schüler sich logischerweise keinen wortlosen Hinkelstein zu Ehren seines Mentors leisten oder zumindest eine rudimentäre Piktogramm-Anweisung mit seinem Meißel ziselieren. Also einen Hinkelstein, mit primitiver Inschrift. Ein Klos mit von der Höhle von Lascaux inspirierter Steinzeitmeißelei zu Ehren Joseph Beuys. Ein Klos, der gut zwölf Tonnen wiegt.
Ein schweres Argument des Fluxus-Künstlers, der 1973 seinen Hochschulprofessor im Einbaum nein, über die Wupper nicht, sondern über den Rhein gerudert hat, als ein kleinmütiger Johannes, damals hieß der Wissenschaftsminister Nordrhein-Westfalens Rau, sich gegen die permanenten Provokationen des Filz-Künstlers mit dessen Rausschmiss wehrte.
Gott hab ihn selig - Joseph Beuys ist leider tot, an seiner statt steht nun der Herzfeld'sche Hinkelstein mit steinzeitlicher Anmut vor den Toren der Stadt. Wer will, mag Beuys' Gesicht in dem Stein sehen. Und da es Kunst ist und der Klüngel von NRW davon alles und nichts versteht, nennt keiner diese Unverschämtheit Mist oder Werk eines Dilettanten. Schließlich könnte das Primitive Oeuvre auch Absicht sein. Also mäkelt man rum. Der Chef des Malkastens - so nennen sich mit dem stolzen Selbstverständnis der Siebziger die Pinselschwinger der Stadt, pardon der angesehene Künstlerverband - Hartmann, gibt zu bedenken; "ob es überhaupt so geschickt sein, dem Beuys ein Denkmal zu setzen?" Wenn einem Kunst-Provokateur 23 Jahre nach seinem Begräbnis ein derartiges Urteil widerfährt, dann kann man mehr als einen Asbach heben.
Ein anderer will rheinisch geschmeidig den Beuys wacker da entsorgen, wo schon seit alters her die Reste der gestrandeten Rheinfahrer landeten, auf der Rheinpromenade. "Da würde der Kopf auch nicht stören", Friedrich G. Conzen heißt der Urheber dieser diplomatischen Replik. Kunst als Strandgut aus den Augen eines Herrn über Kunst am Bau in der Rheinmetropole. Wohin also damit?
Den Auftrag hatte Anatol Herzfeld wohl gekriegt, doch anders als der Sänger, den man einst Prince hatte nennen dürfen, hatte der mehrfache Documenta-Teilnehmer nicht lauthals angekündigt, dass er sein Preisgeld wohl einstreichen werde, den Auftrag aber nicht in der gewohnten Genialität ausführen wolle. Und da Kunst nicht in Raster passt, ist die Ratlosigkeit nun groß an Rhein und Ruhr.
Wie wird man diesen Hinkelstein bloß wieder los. Am Ende werden die im künstlerischen Umgang mit Kommunalgeldern versierten Unionspolitiker das herbe Werk verschmerzen und verstecken. Entweder abseits oder hinter dichtem Grün im Sinne Beuys. Stellte man es auf einen Deich am Rhein, so könnte eine Pflanzaktion wie weiland auch in Kassel zur Befestigung der Deicharchitektur durch Baumwurzeln langfristig nur förderlich sein.
Das hässliche Gekrakel des Herrn Herzfeld, dessen Begabung in diesem Fall an einen anderen Künstler erinnert, der in dem kleinen gallischen Dorf versucht, sein Auskommen durch das Besingen mancher Heldentat zu erringen, die primitive Meißelei könnte so manchen jungen Anatol zum eigenen kleinen Hammer greifen lassen und anders als der vor der Deutschen Bank zu Frankfurt erigierte marmorne Knoten von Max Bill könnte hier Volkes Kunst am Hinkelstein höchst willkommen und ganz im Sinne des Kasseler Anthroposophen Erkenntnis steigernd sein.
Wie sagt Joseph Beuys: das Merkmal großer Kunst sei es, dass sie sich überhaupt nicht aufdränge, sondern vollkommen eingehe, fast verschwinde in der Natur. Hinkelstein-Gemeißel hinter dichtem Grün, eine schöne Erinnerung an Joseph Beuys.
