Highlights und Enttäuschungen
22 Produktionen aus 13 Ländern, darunter vier Uraufführungen, 14 Deutschlandpremieren und zahlreiche Choreografen, die noch nie in Berlin zu sehen waren – das bietet das diesjährige Tanzfestival "Tanz im August".
Einen sehr gemischten Eindruck hinterlassen die ersten Festivaltage - so divers wie Herkunftsländer, Thematiken und Ansätze der Produktionen, so unterschiedlich sind auch ihre Niveaus. Nach einem grandiosen Auftakt mit der 1979 uraufgeführten Produktion "Dance" der Lucinda Childs Dance Company aus New York, ging die Begeisterungskurve erst einmal rapide bergab. Während "La Rue Princess", ein - wie Choreograf Massidi Adiatou es nennt - "Musical" von der Elfenbeinküste, die legendäre Vergnügungsmeile der Hauptstadt Abijan nachstellt und genauso wild und verrucht sein will, lässt der japanische Tänzer Hiroaki Umeda in seinen beiden Uraufführungen drei Hip-Hopper und drei Ballerinen auf seine spezielle Technik treffen - die sich in der Konfrontation mit dem klassischem und urbanen Bewegungsvokabular als äußerst begrenzt erweist.
Vorhersehbarkeit bestimmte beide Abende: In "La Rue Princess" herrscht mit dem Schwelgen in erotischen Spannungen aller Art neben ausgiebiger Sexualisierung auch eine Trivialisierung der künstlerischen Form und in Umedas "Repulsion" und "Isolation" übertitelten 30-Minütern langweilt der denkbar naivste Zusammenhang zwischen Tanz und Musik (die Musik als ständiger und ausschließlicher Impulsgeber für Bewegung), sowie die trockenen Versuche von Hybridisierungen der Tanzformen.
Da dachte man sehnsüchtig an die Rekonstruktion des minimalistischen Tanzstücks "Dance", mit dem die Amerikanerin Lucinda Childs seit Ende der siebziger Jahre Geschichte geschrieben hat. Damals, zur Zeit des Postmodern Dance und der Judson-Church-Bewegung, verließen Zuschauer in Scharen die Vorstellungen; heute feiern sie deren Zeitlosigkeit - und zeigen damit auch den steten und offensichtlichen Wandel publikumsinterner Sehgewohnheiten.
Zur treibenden, pulsierenden Musik von Philip Glass fließen zehn Tänzer, ganz in schlichtes Weiß gekleidet, über die Bühne. Einfache Schritt- und Sprungkombinationen mit angeschrägten oder fliegenden Armverläufen dominieren die Komposition - die durch ständige, minimale Verschiebungen der Choreographie ein unerhörtes Raffinement bekommt.
Die Videoprojektion von Sol Le-Witt, die Ausschnitte der ursprünglichen Aufführungen zeigt, potenziert den Eindruck raffinierter Phasenverschiebungen. Mal sind die virtuellen Tänzer von damals überdimensionale Doppelgänger, mal gleichberechtigte Partner. Die Videoaufnahmen zeigen die Tänzer aus ganz verschiedenen Perspektiven, werden auch gelegentlich über die Köpfe der realen Tänzer projiziert und führen so neue Kompositionsebenen ein.
Die durch höchste Komplexität erzeugte Leichtigkeit zieht in den Bann und lädt auch zum Vergleich ein: Wie wurde dasselbe Material damals, wie wird es heute getanzt? Da erkennt man, dass die freie Lässigkeit einer versammelten Präzision gewichen ist - und dass beides zusammen, der reale und der virtuelle Tanz auf der Bühne, - eine mitreißende, kluge Choreografie erzeugt, die auch über 30 Jahre später noch ihresgleichen sucht.
Vorhersehbarkeit bestimmte beide Abende: In "La Rue Princess" herrscht mit dem Schwelgen in erotischen Spannungen aller Art neben ausgiebiger Sexualisierung auch eine Trivialisierung der künstlerischen Form und in Umedas "Repulsion" und "Isolation" übertitelten 30-Minütern langweilt der denkbar naivste Zusammenhang zwischen Tanz und Musik (die Musik als ständiger und ausschließlicher Impulsgeber für Bewegung), sowie die trockenen Versuche von Hybridisierungen der Tanzformen.
Da dachte man sehnsüchtig an die Rekonstruktion des minimalistischen Tanzstücks "Dance", mit dem die Amerikanerin Lucinda Childs seit Ende der siebziger Jahre Geschichte geschrieben hat. Damals, zur Zeit des Postmodern Dance und der Judson-Church-Bewegung, verließen Zuschauer in Scharen die Vorstellungen; heute feiern sie deren Zeitlosigkeit - und zeigen damit auch den steten und offensichtlichen Wandel publikumsinterner Sehgewohnheiten.
Zur treibenden, pulsierenden Musik von Philip Glass fließen zehn Tänzer, ganz in schlichtes Weiß gekleidet, über die Bühne. Einfache Schritt- und Sprungkombinationen mit angeschrägten oder fliegenden Armverläufen dominieren die Komposition - die durch ständige, minimale Verschiebungen der Choreographie ein unerhörtes Raffinement bekommt.
Die Videoprojektion von Sol Le-Witt, die Ausschnitte der ursprünglichen Aufführungen zeigt, potenziert den Eindruck raffinierter Phasenverschiebungen. Mal sind die virtuellen Tänzer von damals überdimensionale Doppelgänger, mal gleichberechtigte Partner. Die Videoaufnahmen zeigen die Tänzer aus ganz verschiedenen Perspektiven, werden auch gelegentlich über die Köpfe der realen Tänzer projiziert und führen so neue Kompositionsebenen ein.
Die durch höchste Komplexität erzeugte Leichtigkeit zieht in den Bann und lädt auch zum Vergleich ein: Wie wurde dasselbe Material damals, wie wird es heute getanzt? Da erkennt man, dass die freie Lässigkeit einer versammelten Präzision gewichen ist - und dass beides zusammen, der reale und der virtuelle Tanz auf der Bühne, - eine mitreißende, kluge Choreografie erzeugt, die auch über 30 Jahre später noch ihresgleichen sucht.
