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Tonart | Beitrag vom 28.06.2021

Hiatus Kaiyote: "Mood Valiant"Musikalische Überraschung als Konzept

Von Oliver Schwesig

Die australische Band Hiatus Kaiyote im November 2019 live in London: In blauem und violetten scheinwerferlicht sind ein Mann und eine Frau jeweils mit einer Gitarre auf einer Bühne zu sehen. (picture alliance / Photoshot)
Die australische Band Hiatus Kaiyote im November 2019 live in London: "Musik wie unterschiedliche Farben eines Gemäldes" (picture alliance / Photoshot)

Ein Sound, der fortwährend in unbekannte Räume vordringt: Die Band Hiatus Kaiyote operiert an den Grenzflächen zwischen R&B, Soul, Hip Hop und Funk. Auf ihrem Album "Mood Valiant“ zimmern sie aus unsymmetrischen Rhythmen einen erstaunlich fluiden Klangmix.

Hiatus Kaiyote machen's einem schwer. Ist es R&B? Ist es Jazz? Oder Future Soul? Nein, es ist immer irgendwo dazwischen. Bei jedem Stück versucht man sich an Vertrautem entlangzuhangeln. Und Sekunden später bricht die Band die musikalische Fährte ab, verliert sich in einer Akkordfolge, einem Rhythmus oder einer vertrackten Melodie. Ein irrer Sound, dessen Reiz genau im Unvorhergesehenen liegt.

Diese Art der musikalischen Überraschung gehört zum Konzept von Hiatus Kaiyote. Ein Sound-Trip, bei dem es viel um Stimmungen geht. Drummer Perrin Moss dreht beim Interview lange Kurven, um die Musik der Band zu erklären. Die Songs von Hiatus Kaiyote sind wie Gemälde, sagt er.

Wie Farben eines Gemäldes

"Ich sehe unsere Musik wie unterschiedliche Farben eines Gemäldes. Zu jeder Stimmung, die mir einfällt, kommt mir eine Farbe in den Kopf, und ich versuche, dazu einen passenden Sound zu finden. Aber jeder hört das ja anders. Jeder Song klingt nach anderen Farben, die einen wegtreiben. Und mein Eindruck ist: Je mehr ich in den Sounds verwische, desto mehr Raum hat auch der Hörer für seine Imagination. Er entwickelt quasi jeden Song irgendwie noch weiter."

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Immer wieder wird die Band gefragt, ob es einen typischen Hiatus-Kaiyote-Sound gibt. Denn so wie sie mit R&B, Soul und Funk umgehen, wie sie Stile durchforsten, neu entdecken, ausdehnen – das ist ziemlich einmalig. Interessanterweise wird dieser Stilmix von ihnen aber gar nicht als so einzigartig wahrgenommen.

Perrin Moss erklärt: "Naja, wir versuchen ja nicht mal, nach etwas Bestimmtem zu klingen. Das Schwerste als Musiker ist, etwas zu kanalisieren, das nicht von dir kommt, sondern irgendwie durch dich kommt. Beim Komponieren pendelt man ständig zwischen der echten Welt und dieser unbewussten Welt, aus der heraus man schreibt. Aber je mehr man sich dem öffnet, desto größer werden auch die Möglichkeiten."

Maximum an Freiheit und Spielfreude

Genau darum geht es bei Hiatus Kaiyote. So wenig wie möglich Verbindung zu Bekanntem knüpfen, damit ein Maximum an Freiheit und Spielfreude erreicht werden kann.

Zwei Dinge haben die Arbeit am Album "Mood Valiant" beeinflusst. Zum einen die Pandemie und die erschütternde Brustkrebsdiagnose bei Sängerin Nai Palm. Sie musste sich einer schweren OP unterziehen. Nun ist alles okay. Aber diese Erfahrung ließ sie darüber nachdenken, was im Leben wichtig ist, und das reflektiert sie in den Texten.

Das scheint auch die Band noch mal neu zusammengeschweißt zu haben. Eine lebensbejahende Energie, die man den Songs auch anhört. Und vielleicht konnten Hiatus Kaiyote auch nur unter diesen jüngsten Eindrücken die vielleicht schönste Ballade ihrer Karriere schreiben – "Stone Or Lavender".

Kompliziert spielen ist leichter

Während viele Musikerinnen oft das Einfache in ihren Songs suchen, kann es bei Hiatus Kaiyote manchmal nicht kompliziert genug sein. Dazu kommen Neugierde und der Wunsch, sich selbst herauszufordern, meint der Drummer Perrin Moss.

"Jedes Mal, wenn ich ein neues Instrument erlerne, will ich auch gleich damit aufnehmen. Weil man so glücklich ist, mit dem was man gerade erlernt hat. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo man immer mehr lernen will. So nach dem Motto: Okay, das habe ich geschafft. Wie kann ich mich jetzt weiter pushen? Das ist bei uns in der Band eine Art Geisteshaltung. Klar, ich bewundere Leute, die einfach spielen können. Aber das ist für mich zu schwer. Aus meiner Sicht ist kompliziert zu spielen, irgendwie leichter."

"Mood valiant" ist ein bemerkenswertes Album. Es zeigt, wie gewandt ein Quartett weißer Musiker mit schwarzen Musikstilen umgehen kann und deren Möglichkeiten auslotet. Und weil Hiatus Kaiyote mit ihrem Stil – "Wondercore" nennen sie das – mit unsymmetrischen Rhythmen und diesem fluiden Klangmix eine eigene musikalische Sprache gefunden haben. Musik zum Staunen!

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