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Fazit | Beitrag vom 30.03.2021

Hetze und DesinformationDer unterschätzte Hass aus dem Internet

Pia Lamberty im Gespräch mit Susanne Burkhardt

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Mann als Internet-Troll versteckt sich mit Laptop unter einer Brücke. (imago / Ikon Images / John Holcroft)
Der gemeine Internettroll ist eine unterschätzte Spezies. (imago / Ikon Images / John Holcroft)

Gegen den Hass im Internet hat sich nun ein Thinktank gegründet. Das CeMAS soll ein Frühwarnsystem werden, das sich Strategien überlegt, bevor die Radikalisierung zu gefährlich wird. Das sei dringend notwendig, sagt Mitgründerin Pia Lamberty.

Nicht erst durch die Corona-Pandemie sind Hass, Hetze und Desinformation im Internet zu einem großen Problem geworden. Doch mit jeder Krise kursieren sie besonders stark durchs Netz. Radikale und Verschwörungsgläubige greifen anonym Politikerinnen, Journalisten und Aktivistinnen an. Auch Unternehmen stören sich mittlerweile an der vergifteten Debattenkultur.

Dagegen will ein neuer Thinktank vorgehen. Das Center für Monitoring, Analyse und Strategie, kurz CeMAS, berät Firmen, Medien, Nicht-Regierungsorganisationen und die Politik, wie sie mit dem Hass im Internet umgehen können. CeMAS hat am Dienstag seine Arbeit erstmalig offiziell aufgenommen. Ziel ist es, eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu bilden. Die gemeinnützige Organisation wird von der Alfred Landecker Foundation für drei Jahre finanziert.

Radikalisierung von Verschwörungsgläubigen

Eine der Gründerinnen ist die Psychologin Pia Lamberty, die seit Jahren zu Verschwörungsideologien forscht und eine Doktorarbeit darüber schreibt. Sie sagt, es fehle eben an einer Organisation, die sich diesen Themen aus der "digitalen Sphäre" widmet. Die Wissenschaftlerinnen des Centers beschäftigen sich mit Fragen wie: Was für Strömungen gibt es innerhalb von Verschwörungsideologien? Welche Faktoren begünstigen eine Radikalisierung?

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CeMAS erhebt eigenständig Daten oder führt Studien durch. Dafür durchforsten die Forscherinnen zum Beispiel seit Beginn der Pandemie einschlägige Gruppen auf dem Messenger-Dienst Telegram. Dort schauen sie sich auch an, wie sich die Sprache des Hasses entwickelt, wann in solchen Gruppen die Stimmung kippt und zu Gewalt aufgerufen wird. "Wir wissen nämlich noch relativ wenig über die Radikalisierungsverläufe, gerade in diesem verschwörungsideologischen Milieu", sagt Lamberty.

Unter anderem durch die Analyse der Sprache erkennen sie systematisch und frühzeitig Veränderungen und problematische Strömungen. Die Erkenntnisse daraus stellt CeMAS verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren zur Verfügung. So sollen sie sich zeitnah gegen Hass, Hetze und Desinformation im Internet wehren können.

Frühwarnsystem für Hass im Internet

Lamberty sagt: "Häufig wird noch unterschätzt, was im Netz passiert. Nach dem Motto: Das ist ja nur das Internet." Es werde aber immer wichtiger, die Verknüpfung zwischen der digitalen und der Offline-Welt zu verstehen. Sie ist laut Lamberty viel zu wenig bekannt.

Wie stark das Internet sich schon auf Ereignisse ausgewirkt habe, zeige zum Beispiel die Erstürmung des US-Kapitols durch Trump-Anhängerinnen und Anhänger. Diese hätten im Internet mobilisiert. Ähnlich sei es bei der Erstürmung des Reichstages gewesen. "Und genau da wollen wir frühzeitig ansetzen als eine Art Frühwarnsystem, dass nicht immer nur reagiert, wenn es zu spät ist, sondern sich präventiv Strategien im Umgang überlegt", sagt Lamberty.

(sbd)

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