Aktionskünstler Hermann Nitsch gestorben

Der sensible Radikale

07:53 Minuten
Der österreichische Aktionskünstler Hermann Nitsch
Der österreichische Aktionskünstler Hermann Nitsch gehörte zu den bekanntesten Malern seiner Zeit. Nun ist er mit 83 Jahren gestorben. © Imago / Skata
19.04.2022
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Als "wunderbaren und liebevollen Menschen" würdigt der Künstler Erwin Wurm den verstorbenen österreichischen Aktionskünstler Hermann Nitsch. In der Radikalität seiner Kunst habe er die Menschen als das gezeigt, was sie sind: grausame Wesen.
Viel Blut, Kadaver oder auch Eingeweide, die er mit Panzern in den Boden stampfte: Es war oft schwer verdauliche Kost, die der Aktionskünstler Hermann Nitsch seinem Publikum servierte.
Um Leichtigkeit ging es dem österreichischen Künstler, der am Ostermontag im Alter von 83 Jahren gestorben ist, aber ohnehin nie. Seine Kunst und die Methoden, die dabei zum Einsatz kamen, seien vielmehr eine Metapher für das gewesen, was Menschen einander antun, sagt Erwin Wurm, Künstlerkollege und langjähriger Freund des Verstorbenen.

Der Mensch als grausames Wesen

Für Wurm war Nitsch einfach "ein wunderbarer Mensch". Als Künstler habe er den Spiegel vorgehalten und gezeigt: "Der Mensch ist ein grausames Wesen." Die aktuellen Ereignisse zeigten dies einmal mehr.

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Nitschs Kunstaktionen empfanden viele vor allem als provokativ. Dabei sei Hermann Nitsch privat sehr verletzlich und feinfühlig gewesen, betont Wurm: "Ein radikaler Künstler und liebevoller Mensch." Im Übrigen einer, der, tief enttäuscht von Politikern, von Politik nichts (mehr) wissen wollte.

Der verstorbene Hermann Nitsch hat die Idee des Gesamtkunstwerks im 20. Jahrhundert neu formuliert. Lärmmusik, Schreichöre und Geräusche aller Art bilden einen integralen Bestandteil seines groß angelegten Aktionskonzepts, das er seit den 60er-Jahren verfolgt. Richard Schroetter hat sich dem Werk des Malers in der Sendung Neue Musik gewidmet.

Vor allem die frühen Schaffensjahre waren durch die beschriebene Radikalität geprägt. Die Reaktionen darauf seien oft sehr negativ gewesen, sagt Wurm: Anzeigen, Gerichtsprozesse, Gefängnisstrafen. Eine Zeit lang kehrte Nitsch deshalb Österreich den Rücken und lebte in Deutschland, am bayerischen Ammersee.

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Auch diese Ablehnung sei ein Grund gewesen, warum sich Nitsch in späteren Jahren eher auf malerische Arbeiten und seine Lärmmusik-Kompositionen konzentriert habe, sagt Wurm. Auch arbeitete Nitsch wiederholt für verschiedene Opern, schuf Bühnenbilder und Kostüme.
(mkn/gem)

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