Herbert Blomstedt bei der Staatskapelle Dresden

    Der Schwede mit dem Romanik-Verstand

    Dirigent Herbert Blomstedt steht vor der Semperoper Dresden.
    Im grauen Nachkriegs-Dresden fand Herbert Blomstedt in der Staatskapelle Dresden ein strahlendes Orchester: Liebe auf den ersten Klang. © imago / momentphoto / Robert Michael
    Moderation: Stefan Lang · 28.10.2021
    Herbert Blomstedt ist der Dresdner Staatskapelle seit Jahrzehnten verbunden. Publikum wie Orchester lieben ihn, seine Art, seine Musiksicht. Der Ehrendirigent setzt dieses Mal ganz auf sein Steckenpferd Romantik: Schubert und Bruckner.
    Herbert Blomstedt ist er der Staatskapelle Dresden eng verbunden. Seit mehr als einem halben Jahrhundert dirigiert er das Orchester, sein Einstand fand im April 1969 statt. Damals war die Semperoper Dresden noch im zerstörten Zustand.

    Ein Schwede in der DDR

    Von 1975 bis 1985 war Blomstedt Chefdirigent der Staatskapelle. Ihm kam die Ehre zu, das erste Konzert in der wiedererstandenen Semperoper zu dirigieren. Seitdem gastiert er regelmäßig, ist Träger der Goldenen Ehrennadel und seit 2016 Ehrendirigent des Orchesters. Im Laufe der Sendung spricht er über die erste Begegnung mit dem Orchester und der daraus resultierenden Verbundenheit mit den Musikern.
    Dieses Mal hat der Romantik-Fachmann auch ganz in seinem Sinne das Programm gestaltet: Schuberts Unvollendete, jede Sinfonie mit zwei Sätzen, die in ihren Längen und Schönheiten alles andere als unvollendet erscheint.

    Mittelalter romantisch verklärt

    Im Anschluss die 4. Sinfonie von Anton Bruckner, Lieblingsrepertoire von Orchester und Dirigent. Sie wird auch die "Romantische" genannt. Der Komponist hinterlegte ein mittelalterliches Minne-Programm, das musikalisch mit einem Hornruf sanft über Streicherklang beginnt.
    Bruckner beschreibt die Satzabschnitte: "Mittelalterliche Stadt – Morgendämmerung – von den Stadttürmen ertönen Morgen-Weckrufe‘ die Tore öffnen sich, auf stolzen Rossen sprengen die Ritter hinaus ins Freie – der Zauber des Waldes umfängt sie – Waldesrauschen, Vogelgesang – und so entwickelt sich das romantische Bild weiter!"
    Beim ausufernden letzten Satz hat sich Bruckner einfach vom Klangstrom tragen lassen: "Im letzten Satz, ja, da weiß i selber nimmer mehr, was i dabei denkt hab!".
    Aufzeichnung vom 22. September 2021 in der Semperoper Dresden
    Franz Schubert
    Sinfonie h-Moll D759 "Unvollendete"
    Anton Bruckner
    Sinfonie Nr. 4 Es-Dur "Romantische"
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