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Interview | Beitrag vom 14.07.2021

Heranwachsende in der Pandemie Jugend ohne Ort

Dario Schramm und Suvi-Kristin Welt im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Jugendliche sitzen und stehen in einem Park in der Abendsonne und unterhalten sich. (picture alliance / rtn - radio tele nord | rtn, frank bründel)
Zusammenkünfte in Parks werden von der Polizei derzeit oft aufgelöst. (picture alliance / rtn - radio tele nord | rtn, frank bründel)

Die Pandemie hat die Freiräume von Jugendlichen stark eingeschränkt. Junge Menschen dürfen sich nirgends mehr aufhalten, kritisieren Betroffene wie auch Experten - jetzt brauche es Lockerungen für sie.

An einem Sommerabend Freunde im Park treffen, ein paar Bier trinken, fröhlich über Mitschüler und Lehrer lästern - doch dann kommt die Polizei und löst die Party auf, mit Verweis auf die geltenden Coronaregeln. Oft sind es zu viele Jugendliche, die zusammenkommen, aus Mangel an Alternativen. Denn außer Parks und öffentlichen Plätzen haben sie in der Pandemie keinen Ort.

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Darüber klagt Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz - und plädiert dafür, die Regeln für die Jugendlichen im Draußen-Bereich ein wenig großzügiger auszulegen. Es gehe nicht darum, Mega-Events wieder zuzulassen, betont er. Trotz niedriger Inzidenzen gelte es weiterhin, vorsichtig zu sein.

Schramm spricht sich aber für Lockerungen in Parks und an Uferbereichen aus, an "diesen klassischen Orten, wo man zusammenkommt und einen schönen Abend hat". Gleichzeitig müsse der Zugang zu Kinos und anderen Freizeitangeboten wieder einfacher werden. Randalierende jugendliche Mobs, wie sie verschiedene Beobachter bereits für möglich halten, sehe er nicht: "In der Pandemie hat die Jugend gezeigt, dass sie sehr gut ist im Regeln-Einhalten."

Hoher unter Druck durch die Pandemie

Auch Suvi-Kristin Welt von der mobilen Jugendarbeit Ost in Stuttgart rechnet nicht mit einem derartigen Szenario. Den Druck, der durch die Pandemie unter Jugendlichen - wie auch Erwachsenen - entstanden sei, hält sie dennoch für hoch. Aus Sicht der Streetworkerin braucht es deshalb mehr Freiräume für junge Menschen, "in dem Rahmen, der in der Pandemie eben möglich ist".

Viele Jugendliche litten inzwischen unter psychischen Problemen, Vereinsamung und Perspektivlosigkeit, betont Welt. Gleichzeitig beobachtet sie eine Änderung des Geschlechtergleichgewichts. Mädchen und junge Frauen erlebten einen "roll back", seien stark zu Hause eingebunden und weniger im öffentlichen Raum anzutreffen. Das wiederum beeinflusse die Dynamik unter jungen Männern: "Wir haben sehr viele Grenzverletzungen im öffentlichen Raum beobachten müssen."

(ckü)

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