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Fazit | Beitrag vom 03.01.2020

Helmut Jahn wird 80Architekt der lässigen Postmoderne

Oliver Elser im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Der Architekt Helmut Jahn blickt in die Kamera. (picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa)
Ein Architekt, der sich als Künstler zu inszenieren weiß: Kurator Oliver Elser über Helmut Jahn. (picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa)

Er entwarf das Sony Center in Berlin und den Messeturm in Frankfurt am Main, weltweit Flughäfen und Hochhäuser: Helmut Jahn. Oliver Elser vom Deutschen Architekturmuseum würdigt den Architekten zu dessen 80. Geburtstag als Revolutionär der Baukunst.

Groß geworden ist Helmut Jahn mit der Strenge des Modernismus, aber seine Bauten atmen den Geist der Postmoderne. Geboren wurde er in Franken, mit Mitte 20 verschlug es ihn in die USA. Jetzt wird der Architekt 80 Jahre alt und noch vor kurzem hat er am Deutschen Architekturmuseum einen Vortrag über den von ihm erbauten Frankfurter Messeturm gehalten, wie Oliver Elser erzählt, der dort Kurator ist.

Der Messeturm in Frankfurt am Main. (Susannah V. Vergau/dpa)Bei seiner Fertigstellung das höchste Gebäude Europas: Helmut Jahns Messeturm (links) mit der Skyline von Frankfurt am Main. (Susannah V. Vergau/dpa)

"Da hat er noch einmal ganz genau erklärt, was eigentlich das Revolutionäre daran war", sagt Oliver Elser. Nämlich sowohl die Natursteinplatten, aus denen der Turm besteht, als auch die Glasscheiben in dieselben Fensterrahmen einzuspannen. Dadurch kam Jahn zu "einem ziemlich effektiven und ausgeklügelten Bausystem". 

Langsamer Bruch mit der Moderne

Der Bruch mit der Moderne kam bei dem deutschen Architekten in Chigaco langsam, so Elser: "Das Frühwerk von Helmut Jahn ist absolut im Stil Mies van der Rohes." Ende der 1970er-Jahre habe Jahn gemerkt, dass sich der Wind dreht, dass etwas Neues kommen muss: "Dass diese wenig kommunikativen Kisten, die überall in der Stadt herumstehen, so wenig mit dem Stadtraum tun".

Blick auf das State of Illinois Center in Chicago (Glyn Genin/dpa)Helmut Jahns Durchbruch: Das State of Illinois Center in Chicago (Glyn Genin/dpa)

Mitte der 80er-Jahre kam dann, wie Elser sagt, der große Durchbruch mit dem State of Illinois Center: "Da ist er ganz und gar Hightech-Architekt." Aber nicht nur in der Form, auch in der Funktion könne das Gebäude punkten: "Ein purer, großer, öffentlicher Raum, wo der Staat Illinois sich selber repräsentiert, aber andererseits auch ein Angebot macht an die Öffentlichkeit."

Der lässige Künstler-Architekt

Acht Jahre später baut Helmut Jahn das Sony-Center: "Amerikanische Stahl- und Glas-Architektur in Berlin", wie Elser präzisiert. "Er hat den Berlinern gezeigt, dass es auf Stilfragen gar nicht so sehr ankommt, sondern letztlich kommt es darauf an: 'Welche Angebote machen eigentlich Gebäude für die Stadt?'" Und da schneide das Sony-Center gar nicht schlecht ab, meint Elser.

Blick in die Glaskuppel über dem Sony Center in Berlin (imago images / imagebroker / Giovanni Guarino)Blick in die Glaskuppel: Das Sony Center Helmut Jahn am Potsdamer Platz in Berlin (imago images / imagebroker / Giovanni Guarino)

So frei Helmut Jahn mit dem Material umgegangen sei, so lässig sei auch dessen persönlicher Stil, sagt Oliver Elser: "Er lief immer rum, als wäre er gerade einem Modemagazin entstiegen", sagt Elser. "Und es ist schön zu sehen, wie er sich auch als Künstler-Architekt, der aber in Klammern gesprochen, ein gnadenloser Kommerzarchitekt ist, dennoch als Künstler zu inszenieren weiß."

(beb)

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