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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.03.2020

Helferin über Flüchtlingslager auf Lesbos"Kein Ort an dem irgendein Mensch leben sollte"

Liza Pflaum im Gespräch mit Birgit Kolkmann

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Eine Migrantin steht im Regen, im Moria Lager auf Lesbos (Getty Images / Ivan Romano)
Lager von Moria auf Lesbos (Getty Images / Ivan Romano)

Die Situation im dramatisch überfüllten Flüchtlingslager Moria eskaliert. Es sei unbürokratisch möglich, Menschen in Deutschland aufzunehmen, sagt Liza Pflaum von der Hilfsorganisation Seebrücke - doch das Bundesinnenministerium blockiere.

Die Situation im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos eskaliert: 20.000 Menschen suchen dort Zuflucht, wo höchstens Platz für 3000 ist. Seit der türkische Präsident Erdogan Geflüchtete ungehindert aus der Türkei über die Grenze nach Griechenland lässt, ist die Situaton auf der Insel äußerst angespannt. Es fehle im Lager an allem, hauptsächlich an vernünftigen Unterkünften und an Zugang zu medizinischer Versorgung, sagt Liza Pflaum, Sprecherin der Hilfsorganisation Seebrücke.

Liza Pflaum im Sendestudio  (Deutschlandradio)Gerade aus dem Lager in Moria zurückgekehrt: Liza Pflaum von der Organisation Seebrücke. (Deutschlandradio)

Sie ist gerade von Lesbos zurückgekehrt. "Das ist kein Ort, an dem irgendein Mensch leben sollte. Hilfe ist nötig, die Lage spitzt sich zu. Die Menschen im Lager müssen sofort in andere europäische Länder gebracht werden."

Kein Möglichkeit für Asylanträge

Mittlerweile würden Helfer, die alles täten, um die Situation für die geflüchteten Menschen ein wenig erträglicher zu gestalten, von der aufgebrachten Bevölkerung körperlich angegriffen – aufgestachelt vor allem durch politisch rechte Kräfte. Zwar plane die griechische Regierung, das Lager zu vergrößern, doch solle es zugleich abgeriegelt werden – und damit werde es immer schwieriger, etwas für die Menschen zu tun. Diese hätten dann auch keine Möglichkeit mehr, geregelt Asyl zu beantragen.

Besonders dramatisch: An die 500 unbegleitete Minderjährige befänden sich in Moria. Etliche von ihnen hätten Verwandte, die bereits in Deutschland oder in anderen Ländern lebten. Doch gebe es "keine Chance auf eine Familienzusammenführung", sagt Pflaum – obwohl sich zahlreiche deutsche Kommunen bereit erklärt haben, die Kinder sofort aufzunehmen.

Das Bundesinnenministerium blockiert

Die Seebrücke-Sprecherin ist überzeugt, dass sich die Situation ändern ließe. "Meiner Meinung nach könnte das morgen in Angriff genommen werden… Es wäre locker möglich, einen großen Teil der Menschen, die dort leben, nach Deutschland zu evakuieren. Und das Einzige, was dagegen spricht, ist, dass das Bundesinnenministerium nichts macht."

(mkn)

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