Mittwoch, 04.08.2021
 

Fazit | Beitrag vom 20.07.2021

Helfen in HochwassergebietenWenn der Staat ausfällt, wächst die Solidarität

Karolin-Sophie Stüber im Gespräch mit Marietta Schwarz

Ein Helfer ruht sich auf Treibgut und Trümmern aus. Zahlreiche Häuser in dem Ort wurden komplett zerstört oder stark beschädigt. (picture alliance / dpa / Boris Roessler)
Die Helfer in den Hochwassergebieten sind zahlreich, aber angesichts der horrenden Schäden längst erschöpft. (picture alliance / dpa / Boris Roessler)

In den Hochwassergebieten ist die Hilfsbereitschaft derzeit groß. Solidarität könne in Krisenfällen eine hohe Symbolkraft haben und Menschen unterstützen, mit dem Leid zurecht zu kommen, sagt die Philosophin Karolin-Sophie Stüber.

In den verwüsteten Ortschaften im Westen Deutschlands sind inzwischen viele freiwillige Helfer unterwegs - manche reisen sogar von weiter an. Inmitten des Unglücks ist das für viele Betroffene ein echter Trost.

Emotionale Verbundenheit 

"Die Solidarität kann sehr wichtig sein", sagt die Philosophin Karolin-Sophie Stüber. Es gebe jetzt eine überregionale und internationale Aufmerksamkeit sowie das Versprechen, die Betroffenen nicht allein zu lassen. "Damit wird schon mal emotionale Verbundenheit ausgedrückt." Wenn sich daran auch noch konkrete und freiwillige Hilfe anschließe, dann gebe es gelebte Solidarität.

"Solidarität ist immer eine soziale Praxis, das ist nichts, was einfach so da ist", sagt Stüber: "Das müssen wir miteinander lernen."

Wenn der Staat plötzlich nicht mehr da ist

"Wir haben schon in der Corona-Pandemie gemerkt, dass wir aufeinander angewiesen sind", so die Philosophin. In der Forschung zeige sich, dass Solidarität vor allem dort aufscheine, wo der Staat aufgrund einer Krise gerade ausfalle.

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Das sei ein gutes Zeichen, betont Stüber. Solidarität werde deshalb immer sehr positiv assoziiert. Allerdings gebe es auch Schattenseiten, denn sie funktioniere über Gruppenbildung, beispielsweise innerhalb des Nationalstaates.

"Da ist die Solidarität gefragt, selbstkritisch zu sein", betont Stüber. Man müsse sich fragen, wer zu dem "Wir" dazu gehöre und wer ausgeschlossen sei: "Welche Stimmen werden gehört und welche nicht?"

(gem)

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