Heldengesang in höchsten Tönen

Von Daniela Mayer · 04.06.2009
Vor allem die Rollen der Kriegsherren und Helden werden Roland Schneider angeboten. Als Countertenor kann er seine Stimme in höchste Höhen schrauben. Derzeit studiert der 29-Jährige, der eigentlich in den Einzelhandel wollte, noch an der Münchner Musikhochschule. Anschließend möchte er eine Karriere als freiberuflicher Sänger starten.
Helden sind seine Spezialität. Manchmal auch Könige, Kaiser, Götter oder Teufel. Sie singt und besingt der 29-jährige Roland Schneider in höchsten Tönen. Der gelernte Einzelhandelskaufmann aus Hessen absolviert seit fünf Jahren an der Münchner Hochschule für Musik und Theater ein Studium zum Countertenor. Ein männlicher Sänger, der in der Stimmlage einer Frau singen kann. Als solcher ist er im Händeljahr 2009 bundesweit gefragt.

Georg Friedrich Händels Oratorium "Joshua" in der Friedenskirche in Düsseldorf. Das Publikum lauscht gebannt einem der Solisten des Konzerts, dem Countertenor Roland Schneider. Kerzengerade, mit erhobenen Kinn und charmanten Lächeln besingt er die Liebe zu seiner zukünftigen Braut.

Ein Lichtstrahl fällt dabei durch die bunten Kirchenfenster direkt auf sein rötliches Haar. Kurz sieht es aus wie ein Feuerkranz, leuchtend und wild funkelnd. Ein schöner und dramatischer Kontrast zum gediegenen Anzug in Schwarz, der den 29-jährigen Gesangsstudenten weitaus konservativer erscheinen lässt, als er tatsächlich ist. Der Lichtstrahl ist die zufällige, aber perfekte Inszenierung seiner Person. Schließlich singt Roland Schneider in Händels "Joshua" nicht irgendwen. Er ist Othniel.

Roland Schneider: "Ein jugendlicher Krieger und ich hab die Tochter eines Kriegsherren versprochen bekommen, dafür, dass ich ihrem Vater helfe, die letzte Stadt noch zu erobern, weil er das nicht mehr geschafft hat."

Nach dem Konzert wartet Roland Schneider entspannt in einem winzigen Vorraum zur kirchlichen Toilette - dem einzig noch verbleibenden ruhigen Ort im Abbautrubel von Chor und Orchester. Nicht unbedingt ein angemessener Platz für einen siegreichen Krieger. Aber Roland Schneider erweist sich mit seinem Spitzbubenlächeln und seiner ungezwungenen Rhetorik privat als vollkommen unprätentiös. Die Verehrung seiner Person kennt er nur als Held auf der Bühne:

"Als Countertenor ist man das tatsächlich relativ häufig, weil es ja doch eine bisschen exotische Stimme ist und immer so ein bisschen exponiert. Und von daher sind Countertenöre sehr oft Kriegsherren, leider auch sehr oft böse Menschen und immer irgendwie Helden und was Besonderes."

Tatsächlich gibt es nicht viele Männer, die Countertenöre sind, also in der Tonlage einer Frau singen können. Nach dem Konzert hat Roland Schneider deshalb wieder viele Glückwünsche von Zuhörern entgegengenommen. Er ist bescheiden, dabei aber trotzdem selbstbewusst, dank einer bodenständigen Kindheit, wie er glaubt.

Aufgewaschen ist Roland Schneider im hessischen Wetzlar, als zweiter Sohn einer Juweliersfamilie. Seine Eltern singen zwar bis heute im Chor, aber:

"Da ich, sag ich mal, aus einem gutbürgerlichen Geschäftshaushalt komme, war also im Prinzip Einzelhandel und alles, was damit zu tun hat, das beherrschende Thema. Und ich glaube, ich war auch erst kurz vor meinem Abitur das erste Mal überhaupt in der Oper."

Damals noch ohne nachhaltige Wirkung. Roland Schneider zog es mit 19 Jahren nach München, wo er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei einem renommierten Juwelier machte. Gesangsunterricht blieb zunächst ein Hobby.

"Einfach, weil es meiner Seele gutgetan hat, ohne allerdings den Gedanken zu haben, das professionell zu machen."

Bis seine Gesanglehrerin bei ihm ein schon lange schlummerndes Talent für hohe Stimmlagen entdeckte.

"Kürzlich fiel mir ein, dass ich damals in der Schule in der Musicalgruppe gewesen bin, und beim gemeinschaftlichen Einsingen haben halt irgendwann die Jungs aufgehört zu singen. Und ich hab mit den Mädchen weitergesungen und hab festgestellt: So was geht ja auch. Und dann hat es noch ein paar Jahre gedauert, bis ich mich letztlich zum Studium entschlossen und festgestellt habe, dass Countertenor meine Stimmlage ist."

Inzwischen ist Roland Schneider im letzten Jahr seines fünfjährigen Studiums an der Münchner Musikhochschule. Sein Studienbeginn mit 25 Jahren war spät. Doch dank seiner Stimme und starken Bühnenpräsenz bekam er schnell auch große Rollen.

"Also ich hab Cesare gesungen, von Händel, das ist eine der bekanntesten Partien überhaupt."

"Eine andere Partie, die ich gesungen hab, ist von Vivaldi eine sehr unbekannte Rolle, leider sehr unbekannt, weil sehr, sehr schön. (…) Das Stück heißt "Andromeda liberata". Auch da bin ich wieder der jugendliche Held und rette Andromeda und ihre Mutter verspricht mir dafür, dass ich sie heiraten darf. Dass heißt als Countertenor darf ich ganz viele Frauen retten und sie dann heiraten."

Hoffnung im realen Leben, braucht sich derzeit übrigens niemand zu machen. Roland Schneider lebt in einer glücklichen Beziehung in München, wenn für die denn Zeit bleibt. Trotz bereits erfolgreicher Konzerte muss er nebenbei noch viel lernen für sein nahendes Gesangsdiplom.

"Und dann möchte ich natürlich so bald wie möglich als freischaffender Sänger arbeiten."

Service:
Roland Schneider ist am 6., 7. und 9. Juni 2009 jeweils um19.30 Uhr ihm Rahmen der Händelfestspiele in der Aula der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in dem Stück "Kastraten – Gesang nach Messers Schneide" zu sehen.