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Interpretationen / Archiv | Beitrag vom 10.06.2012

Heimkehr nach E-Dur

Ludwig van Beethovens Sonate op. 109

Gast: Friedrich Dieckmann; Moderation: Michael Dasche

Eine undatierte Zeichnung zeigt den Komponisten Ludwig van Beethoven. (AP)
Eine undatierte Zeichnung zeigt den Komponisten Ludwig van Beethoven. (AP)

Die Tonart E-Dur hat Seltenheitswert in Beethovens Werk. Soll man sie die Tonart der liebenden Beschwingtheit nennen? Man kann es nicht im ausschließlichen Sinne, wohl aber mit Bezug auf die erste von Beethovens drei letzten Klaviersonaten, komponiert im Jahr 1820, gewidmet Maximiliane Brentano, Tochter Antonies, der großen Liebe des Komponisten.

Das Entstehungsjahr von op. 109 kann als ein Jahr des schöpferischen Aufschwungs gelten, als ein Jahr, in dem sich die Produktivität Beethovens – nach langer zermürbender Krise im privaten Leben – noch einmal deutlich belebte. Dass Beethoven wieder Lust bekam, zumal nach den Anstrengungen der gigantischen "Hammerklaviersonate", ein weiteres Werk der Gattung in Angriff zu nehmen, verdankt sich einem Zufall: der Bitte des Verlegers August Starke, Beethoven möge zu einer geplanten Klavierschule ein Paar kleine Stücke beitragen.

Der Auftrag war kaum erfüllt, da offenbarte eines der bestellten Stücke, eins in E-Dur, seine Disposition zur Sonatenform. Zu einer eher zwanglos gefügten Sonate freilich, mit "leichtem" Eingangsthema und improvisatorischen Zügen im ersten Satz. Allerdings sieht sich die lebensvolle E-Dur-Sanglichkeit alsbald einer drastischen Gegenwelt konfrontiert: dem e-Moll-Drama des zweiten, des Prestissimo-Satzes. Ziel der Sonate ist es aber nicht, die beiden so gegensätzlichen Sphären als unüberbrückbar stehen zu lassen. Vielmehr bringt der finale dritte Satz den Ausgleich: ein ausgedehnter Variationen-Satz, mit dessen Anfangs- und Endthema Besänftigung eintritt. Auf diesen Versöhnungs-, auf diesen Trostgesang von höchster Intensität läuft alles zu. Es ist die "Heimkehr nach E-Dur".

Um die mannigfachen Umkreisungen dieses Zielpunkts durch namhafte Pianisten geht es im Gespräch mit dem Schriftsteller Friedrich Dieckmann. Zu hören sind Aufnahmen von Artur Schnabel (1932), Annie Fischer (1958), Glenn Gould (1956), Friedrich Guda (1967), Emil Gilels (1985), Swjatoslaw Richter (1991), Olli Mustonen (1998), Michael Korstick (1998) und András Schiff (2007).

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