Montag, 17.05.2021
 

Interview | Beitrag vom 11.03.2021

Hausarzt kritisiert Corona-Impfkampagne"Ein aufgeblasener Verwaltungsakt"

Uwe Popert im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Ein blau behandschuhte Hand hält ein Fläschchen mit dem Covid-Impfstoff von AstraZeneca und präpariert eine Spritze.  (picture alliance / /dpa-Zentralbild / Ronny Hartmann)
AstraZeneca-Impfstoff (picture alliance / /dpa-Zentralbild / Ronny Hartmann)

Hausärzte haben jahrzehntelange Erfahrungen mit Impfungen und sollten deshalb schneller und besser in die aktuelle Corona-Impfkampagne eingebunden werden, fordert der Kasseler Mediziner Uwe Popert. Die aktuellen Regelungen seien viel zu bürokratisch.

Impfstart in Hausarztpraxen, Verteilung des Impfstoffs, Impfreihenfolge: Auch nach dem Treffen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Mittwoch bleibt vieles unklar und die Kritik an der Impfkampagne der Bundesregierung reißt nicht ab.

Unzufrieden sind auch Hausärzte wie der Kasseler Arzt Uwe Popert. Die Hausärzte hätten längst in die Impfungen einbezogen werden müssen, sagt er und verweist auf deren jahrzehntelange Erfahrung mit Impfungen. So habe man zum Beispiel im letzten Herbst innerhalb weniger Wochen 22 Millionen Grippeimpfungen durchgeführt. 

Ein bürokratisches Monster

Doch in Deutschland habe man sich dafür entschieden, die Impfungen zu einem aufgeblasenen Verwaltungsakt zu mutieren. "Das geht nicht, das ist nicht praxistauglich."

Als Beispiel schildert Popert seine Erfahrungen mit Corona-Impfungen in Altersheimen: "Das Problem in den Heimen war, zumindest am Anfang, dass man den Leuten, die kaum was verstanden haben, weil sie schlecht gehört haben, aber eben auch, weil sie alt waren, neun Seiten nahebringen musste: Einverständniserklärung, Datenschutzerklärung, Aufklärung vorheriger Erkrankungen. Und der Großteil davon ist schlicht Datenmüll."

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Popert plädiert auch dafür, die Hausärzte entscheiden zu lassen, wer wann geimpft wird: 

"Es wird nicht anders gehen", betont er. "Natürlich sind wir seit Jahrzehnten gewohnt, da Vernunft walten zu lassen. Es ist ja nicht so, dass wir jetzt wild durch die Gegend laufen und mit Spritzen um uns werfen."

"Das Recht und die Pflicht, einen Krebspatienten zu impfen"

Aber es gebe Sonderfälle, die man nicht in einer Tabelle abbilden könne, sagt Popert. So solle etwa ein Patient mit einer schweren Krebserkrankung, der vor einer Chemotherapie stehe, geimpft werden können: 

"Und bevor ich da irgendwelche Behördenwege durchlaufe, finde ich, dass ich das Recht und die Pflicht haben sollte, den zu impfen."

Porträtaufnahme des Kasseler Hausarzts Uwe Popert im karierten Hemd. (privat)Kritisiert die Impfkampagne der Bundesregierung als bürokratisches Monster. (privat)

Der Kasseler Arzt beklagt außerdem, dass er Informationen darüber, wie es in Sachen Covid-Impfungen beim Hausarzt konkret weitergehen soll, nur aus den Medien bekommen habe.

Demnach solle es in Hessen bis Ostern 20.000 Impfstoffe für 50 Praxen geben. Allerdings hätten sich 500 Praxen gemeldet. "Wer da wann eingebunden wird, ist völlig unklar."

(uko)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

"Omas gegen Rechts" in ErfurtKeine Angst vor Neonazis
Die Zahl der Unterschriften unter einer Petition der "Omas gegen Rechts" wird vor dem Justizministerium präsentiert, wo die Unterschriftensammlung übergeben wird.  (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Martin Schutt)

In Erfurt engagiert sich Renate Wanner-Hopp im Verein "Omas gegen Rechts". Geprägt von den Kriegserlebnissen der eigenen Mutter, fühlt sie ein "Sendungsbewusstsein" gegen Neonazis. Sorgen bereitet ihr der so genannte "Ballstädt-Prozess".Mehr

NahostkonfliktZu viele, die es immer besser wissen
Pro-Israel-Demonstration in München: "Israel muss sich verteidigen" steht auf einem Plakat. (picture alliance / dpa / ZUMAPRESS.com / Sachelle Babbar)

Die Journalistin Esther Schapira kritisiert die deutsche Nahost-Debatte scharf und rät zu "etwas mehr Zurückhaltung und Bescheidenheit". Auch die Verknüpfung von Nahostkonflikt und dem Antisemitismus in Deutschland hält sie für grundfalsch.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur