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Interview / Archiv | Beitrag vom 14.06.2019

Haus der Geschichte feiert 25-jähriges JubiliäumGeschichte ohne Nationalgetöse

Norbert Frei im Gespräch mit Ute Welty

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Adenauers schwarzer Mercedes 300 im Vordergrund, im Hintergrund der Salonwagen 10205 im Haus der Geschichte Bonn. (imago / imagebroker / Stefan Ziese)
Zwar steht Adenauers Mercedes 300 im Haus der Geschichte Bonn, doch der Altkanzler selbst wird nicht glorifiziert. (imago / imagebroker / Stefan Ziese)

Das Auto von Konrad Adenauer, die Strickjacke von Helmut Kohl – das vor 25 Jahren eröffnete Bonner Haus der Geschichte setzt auf Objekte und Bilder. Warum es damit so erfolgreich ist, erklärt der Historiker Norbert Frei.

Rund eine Million Objekte befinden sich in der Sammlung des Hauses der Geschichte, darunter nicht nur ein Trabbi und Teile der Berliner Mauer, sondern auch ein Zahnarztstuhl, der während der Luftbrücke nach Berlin eingeflogen wurde. Etwa 650.000 Menschen besuchen pro Jahr die Ausstellung in Bonn. Dass das Haus der Geschichte bis heute große Besucherströme anzieht, sei nicht von Anfang an klar gewesen, sagt der Historiker Norbert Frei.

Als Helmut Kohl die Idee zu diesem Museum zu Beginn seiner Kanzlerschaft vorangetrieben habe, sei er damit auf Kritik gestoßen. Die Befürchtung sei damals gewesen, das Museum werde die Adenauerzeit glorifizieren und die dunkle Vorgeschichte der Bundesrepublik "abschneiden". Doch dies hätte sich nicht bewahrheitet, erklärt Norbert Frei. 

"Es hat sich in ein sehr populäres Museum entwickelt. Und dass es so gut angenommen wird, hängt auch mit dieser populären Erzählvariante von Geschichte zusammen. Man kann auch sagen: Dieses Museum hat sich von Anfang an von allem Nationalgetöse ferngehalten."

Die Vielfalt der Gesellschaft zeigen

Aus Sicht des Historikers, der an der Universität Jena lehrt, ist das Musem gerade in Zeiten eines erstarkenden Nationalismus wichtig:

"Es kann vor allem die Vielfalt von Gesellschaft in diesem Land deutlich machen: Wenn eben nicht die Nation in diesem alten Sinne im Vordergrund steht, sondern wenn es darum geht zu zeigen, was die Gesellschaft jeweils ist und wie sie geworden ist und wie sie sich in diesen immerhin jetzt sieben Jahrzehnten verändert hat – mit allen positiven Seiten, aber ganz klar auch mit diesen Schattenseiten."

(bth)

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