Hans-Neuenfels-Interview aus dem Archiv

    Zeitlebens abonniert auf die Rolle des Provokateurs

    33:07 Minuten
    Regisseur Hans Neuenfels ist vor der Verleihung des Deutschen Theaterpreises in ein Gespräch vertieft.
    Einer der großen und prägenden Künstler des deutschen Theaters: Hans Neuenfels (2016). © picture alliance / dpa / Silas Stein
    Moderation: Britta Bürger · 09.02.2022
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    Hans Neuenfels bezeichnete sich selbst als „Bastard“, andere nannten ihn einen „Berserker“. Bald 60 Jahre lang polarisierten seine Theater- und Operninszenierungen Kritiker und Publikum. Wir wiederholen ein Gespräch mit dem Regisseur aus dem Jahr 2015.
    „Der Zwiespalt zwischen dem Ich und der Gesellschaft“ sei für ihn die Triebfeder der Kunst, hat Hans Neuenfels einmal gesagt. Er galt als "Berserker" unter den Regisseuren. Von Beginn seiner Theaterarbeit an provozierte er Skandale. Nun ist er gestorben.

    Absetzung einer Oper führte zum Eklat

    Neuenfels, der als einer der Väter des Regietheaters gilt, inszenierte etwa hundert Schauspiele, davon 60 mit seiner Frau Elisabeth Trissenaar. Seit den 1970er-Jahren führte er auch bei zahlreichen Opern Regie, unter anderem bei Wagners „Lohengrin“ in Bayreuth.
    Unvergessen auch „Idomeneo“ an der Deutschen Oper Berlin, dessen Wiederaufnahme 2006 zu einem Eklat führte. Vor dem Hintergrund des Konflikts um Mohammed-Karikaturen wurde die Aufführung wegen möglicher Proteste islamischer Gruppen abgesagt.
    Ende der 1980er versuchte sich Neuenfels als Intendant, an der „Freien Volksbühne“ im damaligen West-Berlin. Neben zahlreichen Essays über Theater und Oper schrieb er 2011 seine Biografie: „Das Bastardbuch“.

    Der "Faust" für das Lebenswerk

    2016 wurde der Regisseur mit dem Deutschen Theaterpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Zwei Jahre später folgte seine letzte Neuinszenierung bei den Salzburger Festspielen.
    Dass er 2018 aufhören wollte, hatte Neuenfels bereits drei Jahre zuvor in unserer Sendung „Im Gespräch“ angekündigt. Er sagte:

    Dann ist es auch genug. Jedes Ding hat seine Zeit.

    Das Gespräch ist eine Wiederholung vom 3. November 2015.
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