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Konzert / Archiv | Beitrag vom 23.04.2017

Hannu Lintu beim ORF-RSO Wälder, Feste und Flügelhörner

Aufzeichnung aus Wien

Hannu Lintu, an einem Schreibtisch sitzend mit Dirigierstab in der Hand (DSO Berlin / Kaapo Kamu)
Der Dirigent Hannu Lintu (DSO Berlin / Kaapo Kamu)

Hannu Lintu leitete als Gast das ORF-Radio-Symphonieorchester, natürlich mit finnischer Musik, von Jean Sibelius und Magnus Lindberg. Der russische Trompeter Sergej Nakariakov war mit Werken von Mieczysław Weinberg und Wolfgang Amadeus Mozart auch mit dabei.

Ein Bläsersolist, der erst ein Trompeten- und gleich danach ein Hornkonzert spielt - darf der so etwas? Und kann er es? Sergej Nakariakov fragt nicht erst, sondern macht es einfach… Und was das Können betrifft, herrscht allgemeine Einigkeit: ja, er hats. Trotzdem ist, was Nakariakov in Wien bietet, nicht nur klanglich, sondern auch stilistisch fast eine Zerreißprobe – denn zwischen der Ausdrucksmusik des polnisch-sowjetischen Komponisten Mieczysław Weinberg (Trompetenkonzert von 1967) und Mozarts hochsublimierter Unterhaltungsmusik (Konzert KV 495, für das der Solist zum Flügelhorn wechselt) liegen auch ohne den artistischen Farbwechsel Welten.

Angesichts solch spektakulär inszenierter Temperaturumschwünge sollte aber keinesfalls in den Hintergrund geraten, dass dieses Programm des ORF-Radio-Symphonieorchesters Wien unter Leitung des Dirigenten Hannu Lintu auch insgesamt ein herausfordernder Parcours ist. Sind doch die rahmenden Stücke um den Solo-Konzertblock herum, die der finnische Orchesterleiter beide aus seinem eigenen Land mitgebracht hat, ebenfalls ziemliche Brocken.

Während Magnus Lindberg im Gleißen, Glitzern und manchmal hymnischen Dröhnen der "Feria"-Komposition von 1997 Richtung Mittelmeer zu schauen scheint (das spanische Titel steht für lärmende Freiluft-Volksfeste), taucht dessen älterer Landsmann Jean Sibelius mit seiner "Tapiola"-Tondichtung umso tiefer in die Welt der finnischen Sagen, Waldgeister und vergessenen Götter ein. 1922 entstanden, wurde sie zum Vermächtnis des finnischen Nationalkomponisten. Obwohl er noch über drei Lebensjahrzehnte vor sich hatte, vernichtete er alles, was in sinfonischen Größenordnungen noch hätte folgen können, und begnügte sich von da an mit der Verwaltung seines Ruhmes.

Aus technischen Gründen haben wir unser Programm geändert und bieten nun statt eines Konzerts aus Dresden diese Aufzeichnung aus Wien.

Wiener Konzerthaus
Aufzeichnung vom 21. April 2017

Magnus Lindberg
Feria

Mieczysław Weinberg
Konzert für Trompete und Orchester B-Dur op. 94

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Horn und Orchester Nr. 4 Es-Dur KV 495 (autographe Fassung für Flügelhorn)

Jean Sibelius
Tapiola, Tondichtung für großes Orchester op. 112

Sergej Nakariakov, Trompete/Flügelhorn
ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Leitung: Hannu Lintu

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