Mittwoch, 14.11.2018
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.06.2012

Hannes Wader: "Ich bin im Grunde meines Charakters ein aggressiver Mensch"

Liedermacher zu seinem 70. Geburtstag: Das Singen gibt mir nach wie vor Kraft

Podcast abonnieren
Der Liedermacher Hannes Wader (picture alliance / dpa - Karlheinz Schindler)
Der Liedermacher Hannes Wader (picture alliance / dpa - Karlheinz Schindler)

Der Musiker und Liedermacher Hannes Wader hat angekündigt, zukünftig noch mehr Konzerte als in den vergangenen Jahren geben zu wollen: "Ich merke, dass ich auch gut bei Stimme bin, und das ist ganz toll", sagte Wader an seinem 70. Geburtstag.

Das Konzertieren und vor allem das Singen mache ihm mehr Spaß denn je: "Es könnte aber sein, dass das auch irgendwie ein Reflex ist auf eine Furcht vor dem Alter und vor dem Sterben." Seine sozialistische Grundüberzeugung sei im Kern unangetastet geblieben, unabhängig vom persönlichem Erleben und von äußeren Entwicklungen in der Politik, betonte Wader: "Ich gehe vielleicht nicht mehr ganz so wütend auf alles los wie früher. Ich würde sagen, das Wort 'altersmild', das trifft in gewisser Weise auch auf mich zu." Er wolle nicht mehr auf alles "einprügeln", aber vieles rege ihn nach wie vor auf: "Ich bin im Grunde meines Charakters ein aggressiver Mensch".

Er wähle die Linkspartei, äußerte Wader, wolle aber wolle keine politische Partei mehr mit seinem Namen und mit seinem Handeln unterstützen. Mehr denn je glaube er an die marxistische Klassentheorie: "Ich denke, dass es eine international herrschende Klasse gibt ( ... ) und eben viele, viele und in wachsendem Maße unterdrückte Klassen und Völker."

An die "RAF"-Zeit und das Ermittlungsverfahren in Zusammenhang mit der Beherbergung von Gudrun Ensslin in seiner Wohnung denke er nicht gern zurück, meinte Wader. Er merke zunehmend, dass er sich unbewusst dagegen wehre, über diese Phase zu sprechen: "Ich verdränge das. Ich will damit eigentlich überhaupt nichts zu tun haben. ( ... ) Da bin ich immer noch zu dicht dran, innerlich. Das hat mir schwer zugesetzt."

Unter der ständigen Observation der staatlichen Behörden sei er in dieser Zeit zum Skelett abgemagert, sagte Wader: "Ich habe nur noch geraucht und Schnaps getrunken. Davon habe ich gelebt. Und (ich habe) gesungen. Das Singen hat mich auch gerettet." Diese Phase habe ihn in gewisser Weise von der Bundesrepublik Deutschland entfremdet: "Ich habe sehr großen Respekt bekommen vor der unerbittlichen Maschinerie der Behörden, der Staatsgewalt ( ... ) und auch vor der Presse, vor den Medien. " Manchmal wache er in der Nacht schweißgebadet auf, weil er davon geträumt habe, dass die "Bild"-Zeitung ihn sprechen wolle: "Da bin ich sehr empfindlich."

Sie können das vollständige Gespräch mit Hannes Wader mindestens bis zum 23.11.2012 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot hören.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsTellkamp beklagt "Kulturdiktatur"
Der Schriftsteller Uwe Tellkamp (picture alliance / dpa-Zentralbild / Sebastian Kahnert)

Der Schriftsteller Uwe Tellkamp attackiert Medien und Kulturbranche, berichtet die "Welt". Er wirft ihnen vor, keinen Widerspruch zu ertragen - und reagiert damit auf Kulturinstitutionen, die sich zu einem Bündnis gegen Rechts zusammengeschlossen hatten. Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 9Überwältigende Übergänge
Die Schauspielerin Sesede Terziyan (als Elisabeth) steht am 10.01.2018 in Berlin bei der Fotoprobe zu dem Stück "Glaube Liebe Hoffnung" im Maxim Gorki Theater auf der Bühne. (picture alliance / Britta Pedersen / dpa)

Ist das "Postmigrantische Theater" ein Erfolg? Wie erlebten jüdische Bühnenkünstler Deutschland eigentlich nach ihrer Rückkehr aus dem Exil? Im Theaterpodcast #9 schauen wir auf einschneidende Übergänge und erinnern an den verstorbenen Theaterkritiker Dirk Pilz.Mehr

Folge 8"Siegreich" und "schiffbrüchig"
Porträt der Kulturmanagerin Adolphe Binder. (picture alliance / dpa / Caroline Seidel)

Was steckt hinter der Theaterkrise in Wuppertal und den Vorwürfen gegen Jan Fabre? Warum sind die Arbeiten des Regisseurs Jürgen Gosch so unvergesslich? Im September-Theaterpodcast schauen wir auf "siegreiche" und "schiffbrüchige" Theatermacher.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur