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Interview / Archiv | Beitrag vom 18.12.2014

Handelsexperte kritisiert Streik "Amazon schafft ordentlich bezahlte Arbeitsplätze"

Thomas Roeb im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Streikende vor einer Betriebsstätte von Amazon in Leipzig am 8. Dezember 2014 (dpa / picture-alliance / Peter Endig)
Streikende vor einer Betriebsstätte von Amazon in Leipzig am 8. Dezember 2014 (dpa / picture-alliance / Peter Endig)

Ein Streik bei Amazon sei "Unsinn", Verdi solle sich lieber an anderen Unternehmen "abarbeiten", sagt der Handelsexperte Thomas Roeb. Für Amazon spreche, dass das Unternehmen Arbeit in Gegenden bringe, wo es sonst keine Arbeit gebe. Doch Amazon könne ebenso gut ins Ausland gehen.

Der Wirtschaftswissenschaftler und Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hat den andauernden Streik bei Amazon scharf kritisiert.

Was die Gewerkschaft Verdi da versuche, sei "wirtschaftlich und auch gesellschaftspolitisch eigentlich Unsinn", sagte Roeb im Deutschlandradio Kultur. Amazon sei natürlich ein PR-trächtiger Gegner, aber es gebe andere Unternehmen, an denen sich die Gewerkschaft "abarbeiten" könne als ausgerechnet eines, das problemlos seinen Geschäftsbetrieb ins Ausland verlagern könne. Natürlich könnten die Jobs bei Amazon "noch" besser bezahlt sein, so der Handelsexperte – dennoch: "Amazon schafft sozialversicherungspflichtige, ordentlich bezahlte Arbeitsplätze."

Roeb verglich die Situation bei Amazon mit dem Fall Schlecker. Schlecker habe Arbeitsplätze in Gegenden geschaffen, wo es sonst keine Arbeit gebe. Ähnliches gelte für Amazon: "In Bad Hersfeld, wo wollen Sie denn da sonst arbeiten gehen?" Die meisten Schlecker-Frauen seien nach dem Ende des Unternehmens ohne Job geblieben. Auch bei Amazon sei die Alternative nicht "Einzelhandelslohn oder Logistiklohn", betonte der Wirtschaftswissenschaftler. "Sondern die Alternative ist: Logistiklohn oder gar kein Lohn."

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