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Interview | Beitrag vom 22.05.2020

Handbuch von Kathrin PassigZurück in die Zukunft des Reisens

Kathrin Passig im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Die Schriftstellerin Kathrin Passig  (picture-alliance/dpa-Zentralbild)
Die Schriftstellerin Kathrin Passig lädt zur Zeitreise ein, obwohl es sie selbst gar nicht reizen würde. (picture-alliance/dpa-Zentralbild)

Die Autorin Kathrin Passig hat zusammen mit dem Astrophysiker Aleks Scholz das "Handbuch für Zeitreisende" geschrieben. Bei der Lektüre können die Leser in 3000 Jahre Weltgeschichte aufbrechen.

Eigentlich haben die Schriftstellerin Kathrin Passig und ihr Mitautor Aleks Scholz ihr Buch "Handbuch für Zeitreisende" schon im vergangenen Sommer und Herbst geschrieben, doch nun entpuppt es sich in Zeiten von Corona in neuer Weise als überraschend zeitgemäß. Das Buch lasse sich jetzt so lesen wie auch andere Reiseliteratur, sagt Passig: "Indem man sich schon mal darauf freut, was eines Tages möglich sein wird."

Auch in der Vergangenheit habe es andere unschöne Seuchen und Pandemien gegeben. Ohne noch an Corona zu denken, hätten die beiden Autoren überraschend viel Material darin untergebracht, das sich in mehreren Kapiteln mit dem Händewaschen beschäftige oder dem Umgang mit Hygiene, Impfungen und den Seuchen der Vergangenheit. "Das wirkt jetzt plötzlich sehr passend", sagt Passig. Bis auf die Stelle, wo sie noch geschrieben hätten, dass die letzte Pandemie, die Spanische Grippe, doch schon lange zurückliege.

Ausflug ins isländische Mittelalter   

"Ein relativ praktischer und konkreter Urlaub, den wir im Buch beschreiben, ist der ins isländische Mittelalter", erläutert die Autorin. An dieser Zeit bestehe ein großes Interesse, wie sich beispielsweise an den Mittelaltermärkten zeige. Es sei zwar nur ein Gerücht, dass die Menschen sich damals nicht gewaschen haben, es sei aber viel komplizierter gewesen als heute. "Die Herstellung von warmem Wasser in ausreichenden Mengen war ganz schön mühsam." Deshalb hätten sie Island als Reiseziel empfohlen, denn dort komme das warme Wasser einfach aus dem Boden.

Außerdem habe sich die Sprache dort seit dem Mittelalter wenig verändert. "Das ist natürlich günstig, vor allem für die, die schon Gegenwartsisländisch können." Da gebe es auch Sprachkurse, was bei vielen Sprachen der Vergangenheit nicht der Fall sei.

Ihr Co-Autor habe als Astrophysiker darüber geschrieben, wie es sei, wenn man ein Raumschiff in eine Zeitmaschine stecke und zum Anfang des Universums zurückreise. "Das ist allerdings nicht so richtig ein Urlaub für Leute, die sich für ereignisreiche Urlaube interessieren", sagt Passig. "Es passiert im Großen und Ganzen überhaupt nichts. Man sieht auch nichts."  

Die Idee zum Buch 

Bei ihren ersten Interviews über das Buch bemerke sie, dass es ein schwieriger Punkt sei, dass sie selbst eigentlich nicht unbedingt in die Vergangenheit reisen wolle, so die Schriftstellerin. "Ich finde oft in der Gegenwart den Handyempfang nicht ausreichend und der ist in der Vergangenheit meistens noch viel schlechter als jetzt."

Die Idee zu dem Buch sei so gekommen, dass sie sich schon als Kind gefragt habe, was man der Vergangenheit eigentlich aus der Gegenwart mitteilen könne, wenn man sich versehentlich in einer Zeitmaschine wiederfinde. Viele hätten ihr bei der Arbeit an dem Buch gesagt, sie hätten da eigentlich nichts mitzuteilen. Das habe ihr gezeigt, dass wir oft schon in der Schule Dinge gelernt hätten, die noch vor 100 oder 200 Jahren noch mühsam erkaufte Erkenntnisse gewesen seien. "Um das ein bisschen sichtbarer zu machen, das war einer der Gründe, warum ich das Buch schreiben wollte."

(gem)   

Kathrin Passig und Aleks Scholz: "Handbuch für Zeitreisende. Von den Dinosauriern bis zum Fall der Mauer"
Rowohlt Verlag, Berlin 2020
334 Seiten, 20 Euro

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