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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 25.09.2015

Hamed Abdel-Samad: "Mohamed - Eine Abrechnung"Wie wurden Sie vom Muslimbruder zum Islamkritiker?

Moderation: Ulrike Timm

Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad (Deutschlandradio / Manfred Hilling)
Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad (Deutschlandradio / Manfred Hilling)

Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad ist einer der schärfsten Islam-Kritiker im deutschsprachigen Raum. Dabei war er als Jugendlicher bei den Muslimbrüdern. Im Oktober erscheint sein Buch "Mohamed - Eine Abrechnung".

Als Sohn eines ägyptischen Imams verbrachte Hamad Abdel-Samad seine Kindheit mit Koranstudien und schloss sich als Jugendlicher den Muslimbrüdern an. Erst als Student begann er den Islam zu hinterfragen, scharf zu kritisieren und kam 1995, mit 23 Jahren, nach Deutschland.

In seinem Buch "Mohamed. Eine Abrechnung" zeigt Abdel-Samad, welche verhängnisvollen Folgen die Tradition der unkritischen Mohamed-Verklärung hat – und weshalb radikale Islamisten mit demselben Recht den "Propheten" zitieren wie laizistische und integrierte Muslime. Demnach führt er in dieser biografischen Skizze über Mohamed die Gewaltbereitschaft radikaler Islamisten auf den Propheten Mohamed selbst zurück.

Furore machte Hamad Abdel-Samad bereits vor zwei Jahren mit dem Buch "Der islamische Faschismus", in dem er die Muslimbrüder kritisiert – und bekam dafür Morddrohungen.

Morddrohungen statt Freiheit

"Ich kam nach Europa, um in Freiheit zu leben, um mich frei zu bewegen, um frei zu denken, frei zu schreiben. Und dann kamen diese Drohungen und verfolgen mich." Das führte zu einschneidenden Veränderungen in seinem Leben. "Ich muss natürlich meinen Tag vorausplanen. Er ist sehr stark eingegrenzt und eingeschränkt. Ich haben keinen festen Wohnsitz mehr. Ich muss schauen, dass ich in Bewegung bin. Aber das war meine Entscheidung – und es war auch eine bewusste Entscheidung."

Er habe sich nicht "der Logik der Fundamentalisten beugen wollen, die sagen: 'Du sollst nicht kritisieren. Du sollst schweigen oder du stirbst!'"

Seither verheimlicht der Schriftsteller seinen Wohnort und bekommt bei öffentlichen Auftritten Personenschutz. Aber er bleibt bei seiner kritischen Haltung treu.

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