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Konzert / Archiv | Beitrag vom 05.11.2019

Hamburger Kammermusikfest InternationalFinnische und andere Tangos

Moderation: Volker Michael

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Der Cellist Taneli Turunen (Uwe Arens/HKMF)
Ganz in seinem Element - der Cellist Taneli Turunen spielt und singt finnische Tangos (Uwe Arens/HKMF)

Einen Ausflug in ungewohnte Gefilde wagt das Hamburger Kammermusikfest in der Elbphilharmonie - es gibt nicht nur Dvořák und neue Musik, sondern auch Tangos aus Finnland und von Astor Piazzolla sowie einen Walzer für Solo-Akkordeon von Richard Galliano.

Das Hamburger Kammermusikfest International findet bereits zum 10. Mal statt. Die künstlerische Leiterin des Festivals, die Pianistin Elisaveta Blumina, lädt dazu ihr bekannte oder empfohlene Musikerinnen und Musiker ein. Programmatisch gibt es immer wieder große Freiräume, einziges Kriterium ist die Qualität der Werke und der Interpretationen.

An diesem Samstagabend am ersten Novemberwochenende gab es einen finnischen Schwerpunkt, wobei das besondere Augenmerk auf dem Tanz an sich lag. Kalevi Aho wurde in Helsinki geboren und gilt als führender Komponist der mittleren Generation in Finnland. Das Konzert für Viola und Orchester entstand 2006. Die aus Finnland stammende Bratschistin Anna Kreetta Gribajcevic, Professorin an der Hamburger Musikhochschule, hat es uraufgeführt. Sie hält die knapp fünf Minuten dauernde Solo-Kadenz aus diesem Werk für so aussagekräftig, dass sie sie als Einzelwerk in der Elbphilharmonie spielen wollte, als verbindendes Element zwischen dem Streichquartett von Caroline Adelaide Shaw und Antonin Dvořáks Streichquintett op. 77.

Die US-amerikanische Komponistin Caroline Shaw (Kait Moreno/Website Caroline Shaw)Die US-amerikanische Komponistin Caroline Shaw (Kait Moreno/Website Caroline Shaw)

Das Konzert beginnt mit dem Streichquartett "Entr’acte", die US-amerikanische Komponistin Caroline Adelaide Shaw hat dieses Werk mit dem bescheidenen Titel geschrieben. Es sei nichts als eine Zwischenaktmusik, also nur die Musik eines Übergangs. Die Künstlerin erhielt 2013 als jüngste Musikerin überhaupt den "Pulitzer Prize of Music" und erzielt mit ihren Werken international viel Aufmerksamkeit.

Tanz mit dem Kontrabass

Das Streichquintett des tschechischen Meisters Antonin Dvořák umfasst ein eher selten anzutreffendes Ensemble mit Kontrabass und gehört zu seinen bekanntesten Kammermusikwerken. Dvořák widmete es seinem Heimatland. Deshalb schrieb er in das Quintett viele böhmische und mährische Melodien und Rhythmen hinein. Vor allem der tänzerische Charakter dieses Quintetts lieferte die Inspiration, es mit den weiteren Werken des Abends zu kombinieren.

Walzer aus Gallien

Der franko-italienische Musiker und Komponist Richard Galliano gilt heute als einer der ganz großen Jazz-Akkordeonisten. Aus seiner Bekanntschaft mit dem Argentinier Astor Piazzolla rührt seine Nähe zum Tango her. Galliano kreierte die "Nouvelle Musette", eine reformierte Form des französischen Walzers. Die Freiheit der Jazz-Musik trifft hierin auf die charmant-lässige Tanzbarkeit der gallischen Kneipenmusik. Ein besonders gutes Beispiel für diesen Stil ist "La valse à Margaux". Dieses Werk spielt der Berliner Akkordeonist Valentin Butt in einem eigenen Arrangement zusammen mit dem Kontrabassisten Esko Laine, Solo-Bassist der Berliner Philharmoniker.

Tangos von Piazzolla und aus Finnland

Astor Piazzolla wiederum, Komponist und Instrumentalist, hat den argentinischen Tango neu erfunden. Kaum jemand dürfte das Wort Tango hören und dabei nicht an Piazzolla denken. Seine Musik wird weltweit gespielt und verstanden, auch von Zuhörern, die nicht ausgewiesene Fans des lateinamerikanischen Tanzes sind. Die "Five Tango Sensations" hat Astor Piazzolla für sich und das Kronos Quartett geschrieben und auch aufgenommen.

Ob Piazzolla gewusst hat, dass der Tango eigentlich aus Finnland stammt? Diese spaßige Herkunftserklärung überrascht immer wieder. Um die Affinität der Finninnen und Finnen zum akzentuierten Vierachteltakt zu untermauern, endete das Konzert in der Elbphilharmonie mit drei gefühlvollen finnischen Tangos in Originalsprache, gesungen vom stellvertretenden Solo-Cellisten des Konzerthausorchesters Berlin, Taneli Turunen, und seiner authentischen "Kapelle". Die besteht aus zwei weiteren finnischen Mitgliedern und drei angelernten "Tangonistas" aus Berlin.

Hamburger Kammermusikfest International
Elbphilharmonie, Kleiner Saal
Aufzeichnung vom 2. November 2019

Caroline Adelaide Shaw
"Entr’acte" für Streichquartett

Kalevi Aho
Solokadenz aus dem Konzert für Viola und Kammerorchester

Antonín Dvořák
Streichquintett G-Dur op. 77

Astor Piazzolla
"Five Tango Sensations" für Streichquartett und Akkordeon

Richard Galliano
"La valse à Margaux" für Akkordeon und Kontrabass

Drei finnische Tangos, für Streichquintett und Akkordeon bearbeitet von Jarkko Riihimäki:

Toivo Kärki
Tango merellä

Unto Mononen
Tähdet meren yllä
Satumaa

Gabriel Adorján, Violine
Álvaro Parra, Violine
Anna Kreetta Gribajcevic, Viola
Taneli Turunen, Violoncello und Gesang
Esko Laine, Kontrabass
Valentin Butt, Akkordeon

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