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Interview | Beitrag vom 19.01.2021

Härterer Lockdown"Es fehlt an Eigenverantwortung"

Klaus Stöhr im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Ein Mann geht am frühen Morgen an der rot illuminierten Oper in Hannover vorbei.  (picture alliance/dpa /Julian Stratenschulte)
Kommt die nächtliche Ausgangssperre? Klaus Stöhr fordert eine ausbalancierte Strategie gegen Corona. (picture alliance/dpa /Julian Stratenschulte)

Ausgangssperren? Pflicht zu FFP2-Masken? Mehr Homeoffice? Der Epidemiologe Klaus Stöhr begrüßt alles, was Kontakte reduziert. Und er fordert eine Strategie, die für mehr Einsicht in den Sinn der Anti-Corona-Maßnahmen sorgt.

Vor allem aggressivere Virus-Varianten machen es aus Sicht des Epidemiologen Klaus Stöhr notwendig, weiter entschlossen dagegenzuhalten. Der "Infektionsdruck" bleibe bis zum Ende des Winters bestehen, prognostiziert er: "Ich glaube, wir müssen eine Lösung finden, die uns langfristig durch dieses Naturereignis bringt." 

Klaus Stöhr im Porträt (imago/ teutopress)Glaubt nicht an den Sinn einer Null-Fälle-Strategie: der Epidemiologe Klaus Stöhr. (imago/ teutopress)

Der derzeit diskutierten Strategie, auf null Fälle zu kommen, erteilt der Epidemiologe dabei eine Absage. "Aus meiner Erfahrung heraus und vor allem aus der unserer Nachbarländer – aus den schlimmen Erfahrungen – kann ich nicht ablesen, dass diese Strategie richtig ist. Wir müssen eine ausbalancierte Strategie finden zwischen Sorge um die Gesundheit der Wirtschaft, aber natürlich auch um die freiheitlichen Rechte."

Verhaltensunterschiede in den Bundesländern

"Auf jeden Fall ist alles richtig und gut, was uns hilft, die Kontakte zu reduzieren", so Stöhr. Bisherige Maßnahmen seien bereits erfolgreich gewesen.

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Es gebe jedoch große Verhaltensunterschiede zwischen den Menschen in verschiedenen Bundesländern, betont er. So gebe es in Sachsen und Thüringen pro Kopf sehr viel mehr Krankheitsfälle als beispielsweise in Schleswig-Holstein. Hier und da fehle es an Eigenverantwortung: "Hier muss mehr getan werden."

Die Frage sei nun, wie man Druck aufbauen könne. "Mit stärkeren Maßnahmen kann man Verhaltensänderungen herbeiführen, aber Einstellungsveränderungen – dafür braucht man eine Strategie, die die Köpfe der Menschen mitnimmt." Dafür sei es notwendig, andere Wissenschaftsdisziplinen wie Soziologie und Psychologie einzubinden, so Stöhr.

(bth)

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