Oper von Engelbert Humperdinck

Hänsel und Gretel

Auf einem Glasfenster ist die Märchenszene abgebildet, bei der Hänsel und Gretel ein Stück Kuchen vom Haus abbrechen, wobei sie sich nach der Hexe umwenden.
Das Lebkuchenhaus ist auch in der Opernfassung von "Hänsel und Gretel" ein zentraler Spielort. © imago / Gustavo Alabiso
Moderation: Stefan Lang · 25.12.2021
Humperdincks stimmungsvolle Oper ist und bleibt ein Weihnachtsklassiker. Mit diesem Märchen um die bettelarmen Kinder wurde der Komponist über Nacht reich und berühmt. Marek Janowski dirigiert unsere Aufnahme mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin.
Es ist das berühmte Kindermärchen, das Engelbert Humperdincks in eine Oper verwandelte. Das Libretto dazu hatte seine Schwester Adelheid Wette verfasst: ein Textbuch voller rührender Schlichtheit. Das Libretto entstand dabei nicht in einem Wurf, sondern wuchs peu a peu. Sie hatte zuerst einfache Szenen mit musikalischen Liedeinlagen für eine kleine, private Weihnachtsaufführung zusammengestellt. Die Kinder sangen dabei ihre Lieblingslieder in den Rollen von Hänsel und Gretel.

Musikalischer Bruder zieht mit

Für die kleinen Zwischenmusiken zog sie ihren Bruder mit ins Boot. Engelbert Humperdinck, hörbarer Schüler und Anhänger von Richard Wagner, tat seiner Schwester den Gefallen und stattete die kleine Szenerie mit überschaubaren Musikstücken aus. Daraus entwickelte sich schließlich ein ganzer, abendfüllender Opernplan.
Der Grundgedanke, die Kinderlieder als Bestandteil in der Oper zu belassen, war auch Grund für den großen Erfolg des Bühnenwerkes.

Kinderfreundliche Version

Zudem hatte Adelheid Wette vor allem die Rolle der Mutter verändert, die im Märchen noch die böse Stiefmutter ist, die die Kinder loswerden will. In ihrer Fassung ist es eine arme, überarbeitete Frau, die die Kinder nicht im Wald sitzen lässt, sondern nach einem Streit zum Pflücken von Erdbeeren schickt.

Kein dunkler Wald

Zudem mildert sie die Szene im Wald ab. Die Kinder begegnen dem Sandmann und dem Taumännchen und erleben einen wundersamen, gemeinsamen Engelstraum. Damit sind sie der bitteren Einsamkeit in der Dunkelheit sanft enthoben. Und das Happy End mündet nicht wie im Märchen in einen goldenen Geldsegen, sondern in der Errettung anderer Kinder.
Außerdem müssen sich Hänsel und Gretel nicht allein zurück finden. Die Eltern treffen sie auf ihrer Suche nach den geliebten Kindern.
Sonderbriefmarke, die ein Porträt Humperdincks, ein Notenblatt und eine Zeichnung von Hänsel und Gretel zeigt.
Engelbert Humperdinck vertonte noch andere Märchen, aber die Oper "Hänsel und Gretel" ist im Gedächtnis verankert, wie die Sondermarke aus dem Jahr 2004 zeigt.© imago / Schöning
Das Grundmotiv der Oper, der Glaube an den Sieg des Guten über das Böse, ist ganz wie im Märchen der Brüder Grimm geblieben.

Aufzeichnung vom 23.12.2016 in der Philharmonie Berlin

Engelbert Humperdinck
"Hänsel und Gretel"
Märchenoper in drei Akten
Libretto: Adelheid Wette

Peter, Besenbinder - Albert Dohmen, Bass
Gertrud, sein Weib - Ricarda Merbeth, Sopran
Gretel - Alexandra Steiner, Sopran
Hänsel - Katrin Wundsam, Mezzosopran
Hexe - Christian Elsner, Tenor
Taumännchen - Alexandra Hutton, Sopran
Sandmännchen - Annika Gerhards, Sopran

Kinderchor der Staatsoper Unter den Linden
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Marek Janowski

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